Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen zunehmend vor der Herausforderung, umfangreiche Nachhaltigkeitsdaten zu erfassen und zu berichten, um den steigenden gesetzlichen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Besonders für die eigene Finanzierung wird eine präzise Nachhaltigkeitsberichterstattung immer relevanter, da auch Kreditinstitute ESG-Kriterien in ihre Bewertung miteinbeziehen müssen. KI-Lösungen können dabei unterstützen, Daten effizient zu sammeln und auszuwerten sowie die Berichterstattung zu erleichtern.

Nachhaltigkeitsberichtspflichten betreffen längst nicht mehr nur große Konzerne. Vielmehr folgt aus Richtlinien, steigenden Anforderungen entlang der Lieferketten, den Erwartungen von Kundinnen und Kunden, den Motiven der Beschäftigten und aus dem intrinsischen Bewusstsein der Geschäftsführenden von Unternehmen die Notwendigkeit, auch in kleinen und mittleren Unternehmen künftig belastbare Nachhaltigkeitsdaten zu liefern. Hierbei kann es sich beispielsweise um Daten zum Energieverbrauch, zu CO₂-Emissionen, zu Abfallströmen oder auch zu sozialen Kennzahlen handeln.

Für viele KMU ist dies durchaus herausfordernd: Daten liegen verstreut in Excel-Tabellen, diversen IT-Anwendungen, Rechnungen oder E-Mail-Postfächern. Gleichzeitig fehlt es an Personal, Zeit und Expertise für komplexe Strukturen, um eine Berichterstattung entlang der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance), also der ökologischen, sozialen und „unternehmerischen“ (bezogen auf die Unternehmensführung) Nachhaltigkeit abzubilden.

Moderne KI-Lösungen können hier helfen und Herausforderungen reduzieren, die im weiteren Verlauf des Artikels näher erläutert werden.

Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht als Selbstzweck verstehen

Nachhaltig agierende Unternehmen profitieren von einem positiven Image, sind stabil für die Zukunft aufgestellt und in Krisenzeiten häufig besonders widerstandsfähig. Hinzu kommen politische und regulatorische Zielsetzungen, die den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltig ausgerichteten Wirtschaft steuern. Dies wird über die Lenkung von Kapitalflüssen in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und die Erweiterung der Risikobewertung um ESG-Aspekte vorangetrieben (siehe auch: Sustainable-Finance-Strategie der BaFin [1], Deutsche Sustainable Finance-Strategie [2]).

Die Steuerung der Kapitalflüsse erfolgt dabei unter anderem über nachhaltig strukturierte Finanzierungen, die zumeist auf den ESG-Kriterien basieren. Je besser ein Unternehmen in Bezug auf diese Kriterien aufgestellt ist, desto vorteilhafter können die Finanzierungskonditionen sein. Somit hat eine zielgenaue Berichterstattung, die nachhaltige Aktivitäten aufzeigt, klar an Bedeutung gewonnen.

Nachhaltigkeitsstandards für KMU – von CSRD und ESRS bis VSME

CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und ESRS (European Sustainability Reporting Standards) legen als EU-Richtlinie bzw. Rahmenwerk die Anforderungen an die Berichtspflicht von Unternehmen fest. Beide Vorgaben formalisieren und konkretisieren das Konzept der doppelten Wesentlichkeit. Sie besagt, dass Themen dann berichtspflichtig sind, wenn diese aus finanzieller Perspektive („outside in“) wesentlich sind und / oder die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt wesentlich sind („inside out“). Unternehmen, die die ESRS anwenden, müssen in ihren Nachhaltigkeitserklärungen somit über wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen berichten.

Ziel der CSRD ist die Steigerung von Transparenz und Vergleichbarkeit in Bezug auf die Nachhaltigkeitsinformationen von Unternehmen. Sie erwies sich allerdings schnell als zu komplex und aufwändig für kleine und mittlere Unternehmen, sodass der Anwendungsbereich der CSRD eingeschränkt werden soll. Im Zuge der geplanten Vereinfachungen auf EU-Ebene wird derzeit diskutiert, den Anwendungsbereich der CSRD deutlich einzuschränken und die Schwellenwerte anzuheben.

Dennoch ist das Thema der Nachhaltigkeitsberichterstattung damit für kleine und mittlere Unternehmen nicht zu vernachlässigen. Zum einen aus den bereits genannten Gründen der nachhaltigen Finanzierung, zum anderen aufgrund des sogenannten „Trickle-Down-Effekts“. Letzterer bedeutet, dass große Unternehmen, die zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD verpflichtet sind, ggf. Daten von ihren KMU-Zulieferern anfordern müssen, um ihre Berichtspflichten zu erfüllen. Dieser Kaskadeneffekt führt also wiederum zu entsprechenden Aufwänden bei kleinen und mittleren Unternehmen. Um diesen Aufwand zu reduzieren, bieten sich Tools, Ratings oder Standards an, mit deren Hilfe die Bewertung der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren vereinfacht erfolgen kann.

VSME-Standard – freiwillige Berichtslösung für KMU

Als schlanke, handhabbare Alternative für KMU, die weniger Datenpunkte umfasst und keine komplexe doppelte Wesentlichkeitsanalyse erfordert, ist insbesondere die von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) entwickelte VSME, der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs, hilfreich.

Der VSME ist modular aufgebaut, er umfasst ein Basismodul mit Mindestanforderungen für Kleinstunternehmen. Dieses Basismodul beinhaltet insgesamt 51 Datenpunkte in 11 Bereichen und muss verpflichtend in jedem VSME-Bericht bearbeitet werden. Hinzu kommt ein Zusatzmodul, das freiwillige Inhalte für tiefergehende Informationen für Stakeholder und Geschäftspartner umfasst.

Beide Module umfassen sowohl Datenpunkte, welche von allen Unternehmen bearbeitet werden müssen, als auch Datenpunkte, die nur dann bearbeitet werden, wenn sie für das jeweilige Unternehmen einschlägig sind. Gleichzeitig dient der VSME als „Value-Chain-Cap“, als eine Art „Deckel“, sodass Anfragen anderer Unternehmen die Inhalte des VSME nur in begründeten Fällen übersteigen dürfen.

Datenvolumen, Datenqualität und die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz

Ein KMU muss für eine grundlegende CO₂- oder Nachhaltigkeitsbilanz somit Daten aus unterschiedlichen Bereichen zusammentragen: Strom- und Gasrechnungen, Flottendaten, Abfall- und Entsorgungsinformationen, Lieferantendaten, Reisekostenbelege, Material- und Einkaufsdaten etc.

Das kann zu unterschiedlichen Problemen führen, da z. B.:

  • Daten unvollständig, doppelt, falsch oder gar nicht verfügbar sind,
  • Datensilos einheitliche Sichtweisen verhindern oder
  • manuelle Arbeiten zu Fehlern führen.

Hier können KI-gestützte Tools Abhilfe schaffen, indem sie als Unterstützung bei der Datenerhebung, -sammlung, -aufbereitung und -auswertung eingesetzt werden:

  • KI-basierte Anwendungen sind in der Lage, Daten zu Energieverbrauch, Emissionen etc. aus den ERP-Systemen (zentrale Unternehmenssoftware), aus IoT-Systemen (über das Internet miteinander verbundene Geräte und Maschinen) oder aus dem CRM (der Kundendatenbank) automatisch zu erfassen und strukturiert aufzubereiten. Die KI liest also Rechnungen, Lieferscheine oder PDF-Daten aus und extrahiert z. B. CO₂-relevante Inhalte.
  • KI-basierte Anwendungen können zudem automatisch passende Emissionsfaktoren zuordnen und daraus relevante ESG-Kennzahlen wie CO₂-Emissionen pro Produkteinheit, Wasserverbrauch oder Recyclingquoten berechnen.
  • Mithilfe intelligenter Algorithmen können dabei zugleich Muster, Fehler, Anomalien, fehlende Angaben oder Inkonsistenzen erkannt werden. Darüber hinaus können zukünftige Entwicklungen beispielsweise im Hinblick auf CO₂-Reduktionspfade prognostiziert werden. Auch Trend- und Benchmark-Analysen sind möglich.
  • Hinterlegt sein kann zudem, dass KI-gestützte Assistenten automatisch fehlende Daten anfordern und überprüfen, also z. B. indem sie mit einem Lieferanten in Kontakt treten.
  • Die jeweiligen Ergebnisse werden in übersichtlichen Diagrammen und Berichten visualisiert sowie mittels fertiger Textbausteine beschrieben. Dadurch erhalten Unternehmen eine fundierte Grundlage, um Trends und Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Reports zu generieren.

Vorstellen kann man sich zum Beispiel, dass ein KI-gestütztes Tool zu beantwortende ESG-Fragebögen automatisiert bearbeitet, indem es relevante Informationen und Kennzahlen aus bestehenden Unternehmensdokumenten herausliest. Die zugrunde liegende KI ist dabei speziell auf ESG-relevante Inhalte trainiert, sodass der Berichtsersteller insgesamt deutlich entlastet wird.

Nachhaltigkeit als finanzieller Risikofaktor

Wie eingangs ausgeführt, hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch für kleine und mittlere Unternehmen insbesondere im Zusammenhang mit Finanzierungsanfragen durchaus an Bedeutung gewonnen. So sind seit Januar 2026 neue Leitlinien in Kraft, die ESG-Risiken (also Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken) als echte finanzielle Risikofaktoren für Banken anerkennen und verpflichtend machen. Dies bedeutet, dass Banken in der EU neben Kreditrisiken, Markt- oder Liquiditätsrisiken zukünftig auch ESG-Risiken systematisch in ihr Risikomanagement einbeziehen müssen. Diese sind nicht mehr nur im Nachhaltigkeitsbericht einer Bank zu erwähnen, sondern als Teil der finanziellen Risikobewertung und der internen Steuerung zu betrachten. Gleichzeitig wird verlangt, dass Banken regelmäßig ESG-Risiken identifizieren, messen und bewerten, um zu verdeutlichen, wie stark sich diese auf die finanzielle Situation einer Bank auswirken können.

Damit Banken nun genau diese ESG-Risiken einschätzen können, brauchen sie verlässliche Daten zu den Nachhaltigkeitsfaktoren ihrer Unternehmenskunden bzw. zu deren Investitionen. Ohne qualitativ gute Daten ist eine Risikobewertung kaum möglich. Hintergrund dieser Vorgaben sind klima- und gesellschaftliche Veränderungen, die messbare finanzielle Folgen haben können, indem sie z. B. zu Kreditverlusten oder zu Bewertungsverlusten in Anlageportfolios führen.

Somit fordern Finanzinstitute entsprechende Daten sowie Dokumentationen ein. Beim Fehlen der Informationen kann ein Unternehmen als risikoreicher eingestuft werden, was höhere Zinssätze oder sogar eine Kreditabsage nach sich ziehen kann. Auch können zusätzliche Sicherheiten verlangt werden. ESG-Kriterien werden somit direkt in eine Risikobewertung integriert.

Fazit und Handlungsempfehlungen für KMU

Die Integration von ESG in das Risikomanagement ist nicht als kurzfristiger Trend zu sehen, sondern wird dauerhaft in der Prüfung von Kreditwürdigkeit verankert sein. Nachhaltigkeitsberichte sind für KMU demnach nicht mehr Kür, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. KMU tun gut daran, proaktiv ihre auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Aktivitäten zu messen, zu dokumentieren und ggf. zu präsentieren. Eine ESG-Strategie kann neben den direkten Erkenntnissen auch finanzielle Vorteile bringen.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich dabei auch große Datenmengen schnell, fehlerarm und normgerecht strukturieren – bei überschaubarem Ressourceneinsatz. So wird das Reporting von einer Belastung zu einem echten strategischen Vorteil.

[1] Sustainable-Finance-Strategie der BaFin: https://www.bafin.de/DE/DieBaFin/Sustainable_Finance_Strategie/SF_Strategie_node.html
[2] Deutsche Sustainable Finance-Strategie: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/deutsche-sustainable-finance-strategie.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Das Stichwort „Tokenisierung“ findet sich seit einiger Zeit immer öfter im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen. Im vorliegenden Artikel werden Definition, potenzielle Nutzungsmöglichkeiten, derzeitige Einsatzhürden und zukünftige Einschätzungen beleuchtet. Voranzustellen ist dabei, dass sich das Gebiet der Tokens derzeit noch im „Pionier-Stadium“ befindet mit einer Vielzahl von Prototypen, Pilotprojekten und einzelnen produktiven Einsätzen. Somit gehen auch die Meinungen zu Definitionen, Prozessen, Techniken, juristischer Einordnung, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz noch recht weit auseinander. Dennoch wird insgesamt eine dynamische Entwicklung erwartet.

Was sind Tokens und welche Ausprägungen gibt es?

Tokens sind digitale Objekte, die eigenständig einen Wert darstellen. Dieser Wert kann ein rein digitales Objekt sein, wie z. B. ein Bitcoin oder ein digitales Kunstwerk. Tokens können aber auch physische Objekte im Sinne eines „digitalen Zwillings“ spiegeln, zum Beispiel eine Immobilie. Mithilfe von Tokenisierung können also große Einheiten in kleinere Teile aufgeteilt und dadurch einer größeren Anzahl von Personen zugänglich gemacht werden. Mit derlei Tokens werden also digitale Abbilder eines realen Gegenstands oder Wertes erzeugt.

Diese digitale Abbildung realer Werte erfolgt dabei beispielsweise auf einer Distributed Ledger Technologie (DLT) eben in Form sogenannter Tokens und ermöglicht insbesondere eine rechtssichere Übertragung dieser digitalen Abbilder. Da sich nahezu alle Gegenstände oder Finanzwerte in dieser Form digital abbilden, also tokenisieren lassen, wird in dieser Technologie mit ihren Produkt- und Entwicklungsmöglichkeiten großes Potenzial gesehen.

Exkurs: Distributed Ledger Technologie (DLT)

Als „Distributed Ledger“ oder „Verteiltes Kontenbuch“ wird eine spezielle Form der elektronischen Datenverarbeitung und -speicherung bezeichnet. Es handelt sich um eine dezentrale Datenbank, in der Teilnehmer eines Netzwerks eine gemeinsame Schreib- und Leseberechtigung haben.

Während es in einer zentral verwalteten Datenbank eine entsprechende zentrale Instanz gibt, die neue Einträge in der Datenbank vornimmt, gibt es in einer dezentralen Datenbank eine solche Instanz nicht. Jeder Teilnehmer kann jederzeit neue Datensätze hinzufügen. Dies stößt jeweils einen Aktualisierungsprozess an, damit für alle Teilnehmer stets der aktuelle Stand der Datenbank vorliegt.

In Bezug auf die Zugangsmöglichkeiten für Teilnehmer unterteilen sich Distributed Ledgers in „permissioned“ und „unpermissioned“ Ledgers. In permissioned Ledgers sind die Teilnehmer in der Regel registriert und müssen bestimmte Voraussetzungen für den Zugang erfüllen. Zu unpermissioned Ledgers hat jeder Teilnehmer freien Zugang (z. B. zur Blockchain im Bitcoin-Netzwerk).

Tokens können erworben, gehalten und i. d. R. weitergegeben werden, auch auf Marktplätzen oder Börsen. Jemand, der Tokens übernimmt, akzeptiert diese und den durch diese Tokens dargestellten Wert. Der Übernehmende erhält Tokens direkt von E-Wallet (auch virtuelle Geldbörse genannt) zu E-Wallet oder auch als Anhang in einer E-Mail ähnlich wie ein PDF-Dokument. Dabei gibt es keine explizite Rückversicherung bei einer zentralen Stelle, ob diese Tokens „echt“ oder „wertig“ sind, der Übernehmende zieht die Tokens einfach auf den Desktop seines Laptops, PCs etc. oder in seine E-Wallet.

Vergleichbar ist dieser Vorgang mit der Übernahme eines herkömmlichen Geldscheins. Dieser wird stets akzeptiert, ohne dass es bei der Übernahme zu einer Prüfung durch die Deutsche Bundesbank kommt. Der Übernehmende vertraut dem Gegenüber und steckt den Schein einfach in seine physische Geldbörse.

Tokens zeichnen sich dadurch aus, dass sie bestimmte Eigenschaften haben. Sie sind u. a.

  • Übertragbar: Dies ist bei den meisten Tokens gegeben. Voraussetzung ist, dass der rechtliche bzw. technische Wesensgehalt des Tokens unverändert bleibt.
  • Teilbar: Mithilfe der Tokenisierung können die damit abgebildeten Vermögenswerte in beliebige Stückelungen geteilt und gehandelt werden.
  • Löschbar („burned“): Hierbei handelt es sich um eine Methode, Tokens dauerhaft aus dem Umlauf zu nehmen und diese z. B. an eine nicht auffindbare Adresse zu senden. Dies wird insbesondere mit dem Ziel getan, um das Gesamtangebot eines Tokens zu verknappen und ihn dadurch wertvoller zu machen.

Zusätzlich ist die Fungibilität, also die Austauschbarkeit, des Tokens von großer Bedeutung. Ein Token kann fungibel (ganzteilig oder anteilig), nicht-fungibel (ganzteilig, anteilig, einzigartig) oder hybrid ausgestaltet sein:

  • Fungibel: Ein Token ist beliebig austauschbar. Fungible Tokens bilden i. d. R. Kryptowährungen, Wertpapiere oder Devisen ab. Beim Besitz oder Erhalten entsprechender Tokens ist es unerheblich, welcher Token von wem stammt, da sie austauschbar und nicht voneinander zu unterscheiden sind.
  • Nicht-fungibel: Ein Token ist nicht austauschbar. Er existiert nur genau einmal und ist auch genau einem Besitzer zuzuordnen. Zu erklären ist ein nicht-fungibler Token z. B. als digitaler Besitznachweis von digitaler Kunst, digitalen Tickets oder digitalen Anteilen von Immobilien.
  • Hybrid: Hierbei handelt es sich um Mischformen der vorgenannten Ausprägungen, bei denen der Schwerpunkt auf unterschiedlichen Funktionen liegen kann, sodass z. B. im Einzelfall zu entscheiden ist, um welche Kategorie Token es sich letztlich handelt.


Exkurs: Die zugrundeliegende Technologie der Smart-Contracts

Fungible und nicht-fungible Tokens bestehen als sogenannte Smart-Contracts auf der Blockchain. Smart-Contracts kann man als Computerprogramme (Code) verstehen, die unter bestimmten Bedingungen abgerufen werden und dabei bestimmte Funktionen erfüllen.

Die Unveränderlichkeit und Transparenz der Blockchain ist dabei ein Kernelement und trägt zu den neuartigen Anwendungsfällen von Tokens bei. Die Technologie von fungiblen und nicht-fungiblen Tokens wurde erstmals auf der Ethereum-Blockchain umgesetzt. Auch der Bitcoin gilt im weiteren Sinne als fungibler Token.

Es lassen sich des Weiteren drei Gruppen von Wert-Tokens unterscheiden:

  • Payment-Tokens: Payment Tokens dienen primär dem Zahlungsverkehr, können aber – wenn sie länger gehalten werden – auch die Eigenschaft der Wertaufbewahrung eines Finanz- bzw. Security-Tokens abbilden. Sie unterscheiden sich nach Herausgeber (Emittent) und Verwendungszweck.
    Payment-Tokens können privatwirtschaftlich oder öffentlich herausgegeben sein. Bekannte Beispiele für privatwirtschaftliche Token sind sogenannten Kryptowährungen ohne Referenzwert wie z. B. Bitcoin, Ethereum oder Ripple.
    Ein weiteres Beispiel für einen privatwirtschaftlichen Token ist der USD Coin, der durch das Unternehmen Circle emittiert wird. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Stablecoin, der an eine Wertanlage (in dem Fall der US-Dollar) als Referenzwert gebunden ist, um dadurch die Wert-Schwankungen des Stablecoins selbst zu minimieren.
    Ein Beispiel für einen öffentlichen Token ist ein möglicher zukünftiger digitaler Euro, der durch die Europäische Zentralbank emittiert werden würde.
  • Finanz- oder Security-Tokens: Finanz- oder Security-Tokens sind digitale Wertpapiere. Erscheinungsformen sind Anleihe-Tokens wie z. B. digitale Schuldverschreibungen sowie Aktien-Tokens (Equity-Tokens). In die Gruppe der digitalen Wertpapiere fallen auch Commodity-Tokens zur Abbildung von Investitionen in Rohstoffe sowie Immobilien-Tokens. Auch sogenannte NFTs (Non Fungible Tokens) finden sich hier, die z. B. digitale Kunstobjekte abbilden.
  • Sonstige Tokens: Dies sind in der Regel Utility-Tokens, die diverse qualitative, also nicht finanziell motivierte, Nutzungsrechte garantieren. Beispiele sind Tokens als Ersatz für die physische Saisonkarte eines Fußballvereins mit Zusatzleistungen rund um den Verein oder der Token einer Musik-Band, in dem das Recht auf den vorzeitigen Bezug des neuen Albums sowie ein Konzertbesuch verankert sind.

Wo zeigen sich Nutzen und Herausforderungen von Tokenisierung?

Tokens sind ein wichtiger Teil der digitalen Welt. Sie erlauben die durchgehende Digitalisierung von Prozessen, ohne Medienbrüche oder notwendige Übergänge in eine analoge Welt. Sie dienen dabei als digitale Wertspeicher, die (fast) überall eingesetzt werden können.

Damit einhergehend werden deutlich geringere Kosten bei Prozessen und eine deutlich schnellere Abwicklung als Vorteile genannt sowie eine vollständige Transparenz, die bei der Nutzung von Tokens gegeben sein soll.

Auch wenn die Technologie insgesamt einen breiten Einsatz von Tokens ermöglichen könnte, sind derzeit allerdings noch eine Reihe von Herausforderungen zu lösen. So sind die Protokolle z. B. für die genannten Smart-Contracts noch nicht ausreichend standardisiert, auch in Bezug auf die Regulation sind noch Fragen offen, die derzeit erst schrittweise beantwortet werden. Aktuell können die von den Befürwortern der Tokenisierung theoretisch möglichen Kosten- und Zeiteinsparungen bei der Abwicklung ebenfalls noch nicht vollständig umgesetzt werden.

Fazit – Akzeptanz noch ausstehend

Eine breite Akzeptanz von Tokenisierung bei den denkbaren Einsatzmöglichkeiten ist derzeit noch unsicher und insbesondere abhängig von schlanken und wenig aufwändigen Prozessen. Ob die Digitalisierung physischer Objekte in absehbarer Zeit für eine ausreichend große Zielgruppe attraktiv sein wird, bleibt abzuwarten. Tokens haben allerdings durchaus Potenzial und könnten als Träger von Werten wichtige Komponenten einer zunehmend digitalisierten Welt werden.


Quellen:

Penzel, Hans-Gert: Tokenisierung von Vermögenswerten: So funktionierte sie & so wird die Zukunft des Eigentums wirklich aussehen, https://www.it-finanzmagazin.de/token-zukunft-ibi-research-152539/, Abruf am 15.01.2025.

Metzger, Jochen: Distributed Ledger Technologie (DLT), https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/distributed-ledger-technologie-dlt-54410, Abruf am 15.01.2025.

Die Berichterstattung im Kontext von Nachhaltigkeit soll u. a. Transparenz für Investoren und Banken schaffen und dazu führen, dass nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen der Zugang zu Finanzierungen erleichtert wird. Erwartet wird zudem, dass nachweislich nachhaltige Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung Wettbewerbsvorteile generieren können. Auch wenn Sie als KMU aktuell noch nicht oder lediglich indirekt von einer Berichtspflicht betroffen sind, sollten Sie sich frühzeitig sowohl mit den Anforderungen als auch mit den Vorteilen auseinandersetzen.​

Dr. Anja Peters von der ibi research an der Universität Regensburg GmbH vermittelt Ihnen in diesem Webinar Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen sowie einführend den  Zusammenhang von Nachhaltigkeit, Berichterstattung und Finanzierung.

Inhalte des Webinars

  • Überblick zu Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen
  • Überblick über Akteure nachhaltiger Finanzierung
  • Kurzer Exkurs zur Datengrundlage und KI-Readiness
  • Diskussion über Herausforderungen und Chancen für KMU

Zielgruppe

Die Veranstaltung richtet sich an ​Führungskräfte und Mitarbeitende kleiner und mittlerer Unternehmen, die die Grundlagen und Zusammenhänge von Nachhaltigkeit und Unternehmensfinanzierung kennenlernen möchten.

Melden Sie sich jetzt kostenfrei an! Die Zugangsdaten senden wir Ihnen rechtzeitig vorher per E-Mail zu.​

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Mit seiner eigenen Marke Sole Runner vertreibt Inhaber Thorsten Ludwig seit 2011 erfolgreich Barfußschuhe, mittlerweile über mehrere E-Commerce-Kanäle. In den Online-Shops und auf ausgewählten Online-Marktplätzen sind die eigenen Schuhe erhältlich, die ausschließlich in Indien produziert werden. Die Geschäfte mit dem Hersteller in Indien werden aktuell über ein deutsches Bankinstitut abgewickelt. Dabei entstehen vergleichsweise hohe Transaktionsgebühren. Eine Abwicklung über einen Dienstleister, der auf ausländische Geldtransaktionen spezialisiert ist, verspricht deutliche Einsparungen – ein passender Anbieter muss aber erst einmal gefunden werden und ein Wechsel ist nicht immer ohne Risiko und Aufwand.

Thorsten Ludwig beschäftigt drei feste und sieben freie Mitarbeitende, die den Online-Handel abwickeln und das Ladengeschäft in Dießen am Ammersee betreuen. In Sachen Digitalisierung allgemein sind sie schon recht weit fortgeschritten. 2020 wurde Sole Runner für den Multi-Channel-Vertrieb über mehrere Online-Shops und -Plattformen, das integrierte Warenwirtschaftssystem sowie das weitestgehend papierlose Büro mit der Auszeichnung „Digitaler Champion im bayerischen Einzelhandel“ geehrt. Auf das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg ist Gründer und Inhaber Thorsten Ludwig über das Thema Finanzen 4.0 aufmerksam geworden. Hier gibt es noch Handlungsbedarf, da finanzielle Transaktionen in das nicht-europäische Ausland nach wie vor über das deutsche Bankinstitut getätigt werden, was hohe Kosten verursacht.

Auslandstransfers über das deutsche Bankinstitut sind deshalb teuer, da auf dem traditionellen Weg bis zur indischen Ziel-Bank oftmals sogenannte Korrespondenzbanken dazwischengeschaltet sind, die alle eigene Gebühren für die Weiterleitung des Geldes verlangen. Besser wäre es, einen Dienstleister zu finden, der beispielsweise über kürzere und intelligente Routen Gebühren einspart oder über Multiwährungskonten direkt in indischen Rupien nicht nur Wege, sondern auch Wechselgebühren spart. Besonders wichtig sind dabei für Sole Runner neben den Kosten die folgenden Faktoren: Schnelligkeit, Transparenz und Sicherheit.

Ein Kriterienkatalog zur Orientierung im Anbieterdschungel

Mit dem Ziel, Anbieter zu identifizieren, die diesen Faktoren gerecht werden, entwickelten die Mittelstand-Digital Expert:innen Dr. Stephan Weber und Simone Sauerwein von ibi research gemeinsam mit dem Sole-Runner-Inhaber Thorsten Ludwig einen detaillierten Kriterienkatalog. Die Leitfragen „Welche Informationen sind notwendig, um eine Bewertung durchführen zu können?“ und „Was ist besonders wichtig?“ führten zu einer langen Liste an Faktoren, die wiederum in die Kategorien „zwingend“ und „optional“ eingeteilt wurden. Für Herrn Ludwig ist zum Beispiel von zentraler Bedeutung, einen direkten persönlichen Kundensupport – keinen Online-Chat-Bot – zu haben, ein geringes Risiko einzugehen und möglichst transparent über die Vorgänge und damit verbundenen Kosten des Dienstleisters informiert zu werden.

Aus über 40 identifizierten potenziell in Frage kommenden Anbietern filterten die Expert:innen in einem ersten Durchgang alle heraus, die beispielsweise nur Privatkunden betreuen, Indien als Zielland nicht im Portfolio haben oder keinen deutschsprachigen Kundensupport bieten. Im nächsten Schritt wurde weiter aussortiert: Welche weisen genügend Auskunft über die anfallenden Kosten aus? Wie sind die geschätzten Ausführungszeiten? Wo ist der Sitz des Anbieters, wie alt ist dieser und wie viele Kunden werden betreut? Werden Multiwährungskonten angeboten und wann fallen Umrechnungskosten an? So blieben am Ende sechs Dienstleister übrig, die es sich nun lohnt, noch genauer unter die Lupe zu nehmen und beispielsweise Termine mit Vertreter:innen des Anbieters zu vereinbaren oder die AGB genauer zu studieren.

Erste Schritte zum Erfolg – Test-Transaktionen

Im finalen Schritt folgt dann der Test. Das bedeutet, bei einem oder zwei der ausgewählten Anbieter einen Account bzw. ein Konto zu eröffnen und mit kleineren Beträgen Transaktionen durchzuführen, um überprüfen zu können, ob Geschwindigkeit, Transparenz und vor allem Kosten den Erwartungen entsprechen. In diesem Zuge kann Herr Ludwig auch direkt den Kundensupport, der ihm besonders wichtig ist, auf Herz und Nieren prüfen.

Es ist aus Risiko- und Sicherheitsgesichtspunkten sinnvoll, den neuen Anbieter erst einmal für kleinere Beträge zu nutzen und größere Transaktionen wie bislang über das deutsche Bankinstitut abzuwickeln. Thorsten Ludwig ist bereit das Thema anzupacken: „Auch wenn dieser Schritt erst einmal Aufwand bedeutet, ist er angesichts steigender Produktionskosten und einer volatilen Marktsituation in der heutigen Zeit ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.“

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Die Bedeutung der Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nimmt aufgrund globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel zu. Nachhaltige Geschäftspraktiken können nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch Kosten senken. KMU müssen sich angesichts rechtlicher Neuerungen wie dem European Green Deal mit nachhaltigen Finanzpraktiken auseinandersetzen und Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) in ihre Prozesse integrieren. In diesem Kontext wird beleuchtet, was kleine und mittlere Unternehmen beachten müssen.

Nachhaltige Finanzierung – Herausforderung für KMU

Der Green Deal, Europas ehrgeiziges Nachhaltigkeitsprojekt, nimmt immer konkretere Formen an.[1] Besonders wichtig ist dabei das Konzept des Sustainable Finance, das darauf abzielt, Finanzströme und Investitionen nachhaltiger zu gestalten. Durch den Green Deal strebt die Europäische Union (EU) eine umfassende Transformation der europäischen Wirtschaft an, um Umweltschutz, den Stopp des Klimawandels, faire Arbeitsbedingungen und die Durchsetzung der Menschenrechte zu fördern. Sogenannte Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) dienen als Leitprinzipien und Bewertungskriterien, die in verschiedenen rechtlichen Instrumenten zur Umsetzung des Green Deals integriert sind. Dabei setzt die EU vor allem auf drei regulatorische Maßnahmen, um Kapital in nachhaltige Projekte zu lenken: die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Während einige dieser Vorschriften bereits für Banken, Finanzvermittler und Großunternehmen gelten, sollen bald auch größere Mittelständler und schließlich kleine und mittlere Unternehmen die neuen Vorschriften umsetzen müssen. Was bedeutet das insbesondere für KMU?

Rolle der EU-Taxonomie auf dem Weg zur grünen Wirtschaft

Kurz gesagt: Die EU plant, finanzielle Mittel künftig unter Berücksichtigung ihrer Nachhaltigkeitsziele zu vergeben. Das bedeutet, dass Projekte, die diesen Zielen nicht entsprechen, entweder gar nicht oder zu weniger vorteilhaften Konditionen finanziert werden. Dies soll zu einem grüneren Kredit- und Kapitalmarkt führen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung festzustellen, wann ihre Geschäfts- oder Investitionsvorhaben als nachhaltig gemäß den Vorgaben der EU und der Bundesregierung gelten und wie dies dokumentiert werden kann. Hierbei spielt die EU-Taxonomie eine zentrale Rolle, indem sie wirtschaftliche Aktivitäten identifiziert, die als nachhaltig betrachtet werden können, und sich an sechs definierten Nachhaltigkeitszielen orientiert:

  • Klimaschutz,
  • Anpassung an den Klimawandel,
  • nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen,
  • Übergang zur Kreislaufwirtschaft,
  • Vermeidung von Umweltverschmutzung sowie
  • Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen.[2]

Bislang sind vor allem die Ziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ausgearbeitet, während die anderen sukzessive folgen sollen. Eine wirtschaftliche Tätigkeit wird als nachhaltig gemäß der Taxonomie betrachtet, wenn sie wesentlich zu mindestens einem der sechs Ziele beiträgt, keine erheblichen Schäden an anderen Zielen verursacht und soziale Mindeststandards einhält.

Wenn ein KMU beispielsweise seine Verpackungen auf umweltfreundliche Materialien umstellt, seine Lieferkette auf faire Arbeitsbedingungen prüft oder erneuerbare Energien in seinen Betrieb integriert, könnte dies als nachhaltige Maßnahme gemäß der Taxonomie betrachtet werden. Um jedoch einen Mehrwert daraus zu ziehen, ist es wichtig, Kund:innen und Investor:innen über diese Maßnahmen zu informieren. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) für Unternehmen und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) für Finanzdienstleister und Investmentgesellschaften legen fest, wie über solche Initiativen berichtet werden soll. Im Wesentlichen erfordern sie einen nichtfinanziellen Bericht, der neben dem Geschäftsbericht Details wie Klimaschutzaktivitäten und ihre quantitativen Auswirkungen enthält.

EFRAG-Initiative – freiwilliger KMU-Standard für nachhaltige Berichterstattung

Die SFDR ist bereits in Kraft und zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten wie Investmentfonds transparent zu machen. Dies hat dazu geführt, dass sowohl Investmentgesellschaften als auch Verbraucher:innen vermehrt auf nachhaltige Investitionen setzen. KMU stehen jedoch noch vor Herausforderungen. Die CSRD-Vorschriften der EU müssen bis Juli 2024 in nationales Recht umgesetzt werden.[3] Dann wird voraussichtlich die Anzahl der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen müssen, von derzeit 500 kapitalmarktorientierten Unternehmen auf 15.000 steigen, schätzt die Deutsche Industrie- und Handelskammer – und wird damit auch den deutschen Mittelstand betreffen.[4] Zunächst sind kleine und mittlere kapitalmarktorientierte Betriebe von der Berichtspflicht betroffen, später dann auch kleinere, nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), die die Europäische Kommission bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards unterstützt, nun einen Entwurf für einen freiwilligen KMU-Standard (Voluntary SME Standard) vorgestellt.[5] Dieser Standard soll es KMU ermöglichen, Anfragen nach ESG-Informationen von größeren Unternehmen oder Finanzinstitutionen einheitlich zu beantworten. Der Erfolg dieses Standards hängt von der Selbstverpflichtung der größeren Marktteilnehmer ab. Eine Konsultation zum Voluntary SME Standard wird im Januar stattfinden, wobei die endgültigen Standards voraussichtlich bis Ende 2024 fertiggestellt sein werden und als Empfehlung veröffentlicht werden, um sich im Markt zu etablieren.

 

[1] https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/Fokusrisiken/Fokusrisiken_2024/RIF_Trend_2_Nachhaltigkeit/RIF_Trend_2_Nachhaltigkeit_node.html
[2] https://www.bmuv.de/faqs/taxonomie-und-die-rechtliche-grundlage
[3] https://www.csr-in-deutschland.de/DE/CSR-Allgemein/CSR-Politik/CSR-in-der-EU/Corporate-Sustainability-Reporting-Directive/corporate-sustainability-reporting-directive-art.html
[4] https://www.dihk.de/de/ueber-uns/die-ihk-organisation/neue-nachhaltigkeitsberichterstattung-93090
[5] https://www.haufe.de/sustainability/strategie/konsultationsentwuerfe-esrs-kmu-veroeffentlicht_575772_614368.html

Die Berichterstattung im Kontext von Nachhaltigkeit soll u. a. Transparenz für Investoren und Banken schaffen und dazu führen, dass nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen der Zugang zu Finanzierungen erleichtert wird. Erwartet wird zudem, dass nachweislich nachhaltige Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung Wettbewerbsvorteile generieren können. Auch wenn Sie als KMU aktuell noch nicht oder lediglich indirekt von einer Berichtspflicht betroffen sind, sollten Sie sich frühzeitig sowohl mit den Anforderungen als auch mit den Vorteilen auseinandersetzen.​

Dr. Anja Peters von der ibi research an der Universität Regensburg GmbH vermittelt Ihnen in diesem Webinar Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen sowie einführend den  Zusammenhang von Nachhaltigkeit, Berichterstattung und Finanzierung.

Inhalte

  • Überblick zu Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen
  • Überblick über Akteure nachhaltiger Finanzierung
  • Kurzer Exkurs zur Datengrundlage und KI-Readiness
  • Diskussion über Herausforderungen und Chancen für KMU

Zielgruppe

Die Veranstaltung richtet sich an ​Führungskräfte und Mitarbeitende kleiner und mittlerer Unternehmen, die die Grundlagen und Zusammenhänge von Nachhaltigkeit und Unternehmensfinanzierung kennenlernen möchten.

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Sie möchten das Thema gerne vertiefen? Am 19. Juni findet in München unsere neue Schulung „Nachhaltigkeit und Finanzen 4.0 – Grundlagen und Zusammenhänge nachhaltiger Finanzierung“ statt. Mehr Infos

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Digitale Dienstleistungen und Services gewinnen im Bereich der Unternehmensfinanzierung immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile besteht die Möglichkeit, Finanzierungen über Online-Kreditplattformen abzuwickeln. Diese Art der Finanzierung ist für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aber noch eine große Ausnahme. Welche Potenziale die digitale Finanzierungsalternative bietet, soll hier dargestellt werden.

Finanzierung im Mittelstand im Umbruch

Während der Corona-Pandemie erlebte das Thema Digitalisierung einen Auftrieb – insbesondere bei der Kreditgenehmigung und -vergabe. Denn gerade in den vergangenen Monaten wurde deutlich, wie existenzsichernd schnelle Kreditzusagen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen mit Liquiditätsengpässen sind. Damit Betriebe laufenden Kosten beispielsweise mit Hilfe eines Betriebsmittelkredits decken oder Investitionen realisieren können, ist schnelles Fremdkapital unabdingbar, wenn die unternehmenseigenen Eigenkapitalreserven krisenbedingt schwinden.

Geprägt durch eine langjährige Geschäftsbeziehung ist dabei die Hausbank die erste Anlaufstelle vieler KMU. Doch gerade kleinere Unternehmen benötigen geringere Kreditvolumen, die jedoch aufgrund der internen Kostenstruktur für Banken oft nicht rentabel sind. Auch ist die Bereitschaft zur Kreditvergabe der Hausbank oftmals an Sicherheiten und eine bestimmte Höhe des Eigenkapitals geknüpft.

Das Angebot an digitalen Alternativen wächst jedoch und so haben sich mittlerweile neue Finanzierungsmöglichkeiten wie digitale Kreditplattformen entwickelt. Unter dem Begriff Online-Kreditplattform werden digitale Plattformen zur Beschaffung von externen Finanzierungsmitteln zusammengefasst.[1]

Kreditplattformen im Überblick

Online-Kreditplattformen lassen sich im Wesentlichen in drei Arten unterteilen: Vergleichsplattformen, Vertriebsplattformen und Kreditmarktplätze.[2]

Vergleichsplattformen unterstützen bei der Suche nach einem passenden Angebot, sie dienen als Vermittler zwischen Kreditnehmern und zahlreichen möglichen Finanzierungspartnern. Beispielhaft sind hierfür Compeon oder FinCompare. Diese Finanzierungsplattformen greifen auf ein Netzwerk aus über 250 Finanzdienstleistern zurück und bieten den Unternehmen eine Vielzahl an Finanzierungslösungen.

Dagegen gewähren Vertriebsplattformen Zugang zu bestimmten Kreditangeboten von einem oder wenigen Finanzierungspartnern. Klassische Kreditgeber wie beispielsweise die Direktbank ING, verbergen sich hinter Vertriebsplattformen wie Lendico. Sogenannte White Label Kreditgeber wie die Solaris nutzen ihre Banklizenz für die Kreditvergabe, bleiben jedoch im Hintergrund.

Auf Kreditmarktplätzen wie Creditshelf und Invesdor, treffen kreditsuchende Firmen auf potenzielle Investoren. Dabei stellen interessierte Unternehmen zunächst eine Finanzierungsanfrage und erhalten nach einer Risikobewertung ein entsprechendes Kreditangebot, welches von institutionellen oder privaten Anlegern finanziert wird.

Digitale Plattformen punkten bei Antragsabwicklung

Alle Arten von Kreditplattformen haben gemeinsam, dass sie über digitale, standardisierte und weniger persönliche Finanzierungsprozesse verfügen.[3] Während bei der Hausbank Kreditsachbearbeiter:innen den gesamten Antrag manuell prüfen, erfolgt die Begutachtung auf Plattformen mittels automatisierter Prozesse. Sobald die Prüfung abgeschlossen ist, liegt bereits ein Angebot, oftmals innerhalb einiger Minuten, vor. Je nach Plattformanbieter werden in der Regel zwischen 24 und 72 Stunden benötigt, um ein Kreditangebot zu erstellen. Automatische und digitale Abläufe ersetzen somit die klassische Prüfung und bieten genau in diesem Punkt einen erheblichen zeitlichen Vorteil und eine entsprechend zügige Planungssicherheit für die Unternehmen.

Auch haben jene KMU Chancen, die einen stabilen Kapitalfluss aufweisen, jedoch nicht über die bankenüblichen Sicherheiten verfügen. Außerdem reduziert das Angebot mehrerer Finanzierungsanbieter vor allem die Suchkosten, was gerade kleineren Unternehmen, mit oftmals geringen personellen Kapazitäten die Arbeit erleichtert. Durch die erhöhte Transparenz haben Unternehmen zudem bessere Möglichkeiten, sich die günstigsten Konditionen für die von ihnen gewünschte Finanzierung zu suchen. Infolgedessen können sie Abhängigkeiten reduzieren bzw. ihren Finanzierungsmix erweitern, was gerade in Krisenzeiten hilfreich sein kann.

Digitale Finanzierungslösungen gewinnen an Bedeutung

Kleine und mittlere Unternehmen, die auf der Suche nach einer passenden Finanzierung sind, sollten nicht nur Bankinstitute in Betracht ziehen. Online-Kreditplattformen punkten vor allem mit einem breiten Angebot, Schnelligkeit und Transparenz. Insbesondere die vergangenen Krisenmonate haben deutlich gezeigt, wie essenziell rasche Kreditzusagen für mittelständische Unternehmen im Hinblick auf bestehende Herausforderungen sein können. Es lohnt sich also für KMU, ihren Finanzierungsmix zu erweitern.

 

[1] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_665152.html
[2] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_665152.html
[3] https://www.ifm-bonn.org/forschung/strategische-unternehmensfuehrung/detailansicht/fintechs-chancen-fuer-den-deutschen-mittelstand

Am 01. März 2022 startete das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg mit dem Ziel, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und das Handwerk bei der Digitalisierung zu unterstützen. Das Zentrum wurde im Rahmen des Förderschwerpunktes „Mittelstand-Digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gegründet und wird mit rund 5 Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

Dem neuen Zentrum ging das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg voraus, welches in den letzten fünf Jahren zum etablierten Ansprechpartner für die Digitalisierung im Mittelstand in Bayern geworden ist. Neben dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg gehören 27 weitere Zentren zum Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital. Die in diesem Netzwerk vorhandenen Kompetenzen ergänzen sich und stellen ein flächendeckendes Unterstützungsangebot für KMU bereit. Durch die Vernetzung der Zentren bei Mittelstand-Digital bietet jedes Zentrum eine Anlaufstelle für Unternehmen, um sämtliche Fragestellungen der Digitalisierung im Mittelstand qualifiziert beantwortet zu bekommen.

Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg besitzt insbesondere die Schwerpunkte „Nachhaltigkeit“, „Digitale Strategien“, „Künstliche Intelligenz“, „Arbeit 4.0“, „Finanzen 4.0“ und „Vernetzte Produktion & Logistik“. In zielgruppengerecht aufbereiteten Angeboten wird dieses Wissen gebündelt, aufbereitet und praxisnah vermittelt. Unterschiedliche Transferleistungen bieten Unternehmen bedarfsorientierte, kostenfreie Zugänge und Wege zum „Unternehmen der Zukunft“: Von einer Factory- oder Lab-Tour, bei der Digitalisierungslösungen live erlebt werden können, über eine vertiefende Schulung zur fachlichen Weiterbildung bis hin zur Umsetzung eines langfristigen Projektes gemeinsam mit dem Zentrum.

Die primäre Zielgruppe des Zentrums Augsburg umfasst das produzierende Gewerbe, das Handwerk sowie die produktionsnahe und konsumentenorientierte Dienstleistungswirtschaft. In erster Linie werden KMU angesprochen, die aufgrund einer geringeren Mitarbeiteranzahl stärker auf externe fachliche und personelle Unterstützung angewiesen sein könnten. Ein besonderes Anliegen ist es, auch in entlegenere Regionen in Bayern vorzudringen, um sämtlichen Unternehmen – egal ob in ländlicher Umgebung oder in der Nähe zu den Standorten des Zentrums – ein unterstützender Partner zu sein.

Zur bestmöglichen Unterstützung der KMU arbeitet im Rahmen des Mittelstand-Digital Zentrums Augsburg ein Konsortium unterschiedlicher Vertreter aus Forschung und Transfer zusammen. Als Forschungspartner mit umfassendem Know-how in Bezug auf digitale Strategien und Industrie 4.0 bringt sich die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. mit seinen beiden Instituten, dem Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV und dem Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen IIS in das Projekt ein. Zudem agiert das Forschungs- und Transferinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme (fortiss) als Experte im Bereich von Softwarelösungen und KI, die ibi research an der Universität Regensburg GmbH für den Themenbereich Finanzen 4.0 sowie die Technische Universität München mit dem Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik (fml) und dem Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) für die Bereiche Logistik, Nachhaltigkeit und Arbeit 4.0 in der Produktion. Als Schnittstelle zu den Unternehmen ist der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. mit seiner Geschäftsstelle in München (VDMA Bayern) am Zentrum beteiligt, der zugleich die Leitung des Zentrums innehat.

Die Corona-Pandemie hat das Konsumverhalten verändert. Das zeigt sich auch im Bezahlverhalten der Deutschen. Wie sich das genau entwickelt hat, hat sich unser Projektpartner ibi research zusammen mit dem Digital Commerce Research Network (DCRN) angesehen. Dabei wurden mehr als 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten zu ihren neuen Gewohnheiten befragt.

Nachhaltige Veränderungen im Bezahlverhalten

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Konsument:innen auf den Kopf gestellt. Gesundheitliche Sorgen oder finanzielle Ängste beschäftigen aktuell zahlreiche Menschen in Deutschland und weltweit. Gleichzeitig sind Lockerungen in Kraft getreten und ermöglichen Restaurantbesuche und Einkaufserlebnisse in Einzelhandelsgeschäften.

Im vergangenen Jahr mussten potenzielle Konsument:innen auf zahlreiche stationäre Angebote verzichten. An deren Stelle traten vermehrt digitale Services. Mehr als die Hälfte der Befragten hat vor der Corona-Pandemie am liebsten mit Bargeld bezahlt. Dieser Anteil ist in den vergangenen Monaten stark gesunken: Nur noch 34 Prozent haben ihre Einkäufe bar gezahlt, nach Ende der Pandemie planen lediglich 39 Prozent wieder hauptsächlich Bargeld zu verwenden (vgl. Abbildung 1). Besonders die jungen Kundinnen und Kunden haben sich umorientiert und nutzen jetzt andere Möglichkeiten.

Abbildung 1: Genutzte und geplante Bezahlmethoden vor, während und nach der Corona-Pandemie

Kontaktloses Bezahlen wird beliebter

Gesteigerte Hygienemaßnahmen während der Pandemie führten dazu, dass die Kundschaft verstärkt auf kontaktlose Bezahloptionen hingewiesen wurde. Dass dieses Angebot auch rege genutzt wurde, bestätigen die Umfrageergebnisse. Sowohl bei der girocard (+ 12 Prozent) als auch bei Kreditkarten (+ 4 Prozent) wurde häufiger kontaktlos durch Auflegen auf das Kassen-Terminal bezahlt. Der Großteil dieser Kundinnen und Kunden möchte das auch zukünftig beibehalten. Eine noch immer geringe Nutzerbasis haben Zahlungen per Smartphone und Smartwatch ausgelöst. Allerdings hat auch hier die Corona-Pandemie für leichten Aufschwung gesorgt: Vier Prozent der Befragten möchten nach Ende der Pandemie weiterhin mit dem Smartphone bezahlen, knapp ein Prozent mit einer Smartwatch (vgl. Abbildung 1).

Bezahlen im E-Commerce: Rechnung und PayPal liegen vorne

PayPal ist und bleibt bei den Befragten das beliebteste Zahlungsverfahren im Online-Handel. Nur bei höheren Beträgen ab 500 Euro gehen die Käuferinnen und Käufer auf Nummer sicher und wählen Zahlung auf Rechnung. Auf Platz 3 der beliebtesten Zahlverfahren ab 30 Euro steht die Kreditkarte (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Genutzte Zahlungsverfahren beim Einkauf in Online-Shops

Die teilweise resultierende Verschlechterung der Nutzerfreundlichkeit durch eine starke Kundenauthentifizierung (SKA) bei Zahlung mit Kreditkarte veranlasst rund ein Fünftel der Befragten dazu, ihre Kreditkarte seltener zu verwenden. Gleichzeitig schätzen aber 77 Prozent die gesteigerte Sicherheit durch die SKA und finden den Zusatzaufwand überschaubar (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Auswirkungen der SKA auf die Zahlung mit Kreditkarte

Ein bedenklicher Anstieg zeigt sich bei der Nutzung von Teilzahlungsoptionen oder Ratenkrediten während der Corona-Pandemie (vgl. Abbildung 4): 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nutzten diese häufiger als sonst oder zum ersten Mal – der Weg in die Schuldenfalle? Ein Blick auf die Zahlen des statistischen Bundesamtes unterstreicht diese Gefahr[1]. Im Vergleich zum Jahr 2015 sind die Bundesbürger unter 20 Jahre, die bei einer Schuldnerberatungstelle als überschuldet erfasst wurden, um über 41 Prozent gestiegen.

Abbildung 4: Nutzung der Teilzahlungsoptionen bzw. Ratenkredite bei Online-Bestellungen

Online-Handel: einzige Chance für ländliche Regionen und Bedrohung für die
deutschen Innenstädte?

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Corona-Pandemie das Konsumverhalten in Deutschland verändert hat – jedoch in unterschiedlichen Ausmaßen. Aufgrund der Lockdowns wurde zunächst über alle Alters- und Käufergruppen mehr online eingekauft. Doch nicht bei jedem wird dies zu einer nachhaltigen Konsumveränderung führen. In ländlichen Regionen Deutschlands mangelt es unter Umständen an einer großen Auswahl von verschiedenen Produkten und Dienstleistungen. Knapp zwei Drittel sehen daher den Online Handel als einzige Möglichkeit, auf diese zuzugreifen. Allerdings wird das Einkaufen im Internet von vielen Bürgerinnen und Bürgern auch als Bedrohung wahrgenommen. Nur jeder Zehnte sieht im Online Handel keine Gefahr für die deutschen Innenstädte. Knapp die Hälfte erwartet in den nächsten drei Jahren das Verschwinden von zahlreichen stationären Geschäften (vgl. Abbildung 5).

Abbildung 5: Einschätzung zum Handel und Einkaufsverhalten

Quelle: Die Ergebnisse stammen aus einer von ibi research an der Universität Regensburg research zusammen mit dem Digital Commerce Research Network (DCRN) durchgeführten Studie (Befragungszeitraum: Juli 2021, CAPI-Befragung, 1.014 Teilnehmer). Kostenlos verfügbar unter: https://ibi.de/veroeffentlichungen/dcrn-2021.

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Vermoegen-Schulden/_inhalt.html#sprg233606