Mit seiner eigenen Marke Sole Runner vertreibt Inhaber Thorsten Ludwig seit 2011 erfolgreich Barfußschuhe, mittlerweile über mehrere E-Commerce-Kanäle. In den Online-Shops und auf ausgewählten Online-Marktplätzen sind die eigenen Schuhe erhältlich, die ausschließlich in Indien produziert werden. Die Geschäfte mit dem Hersteller in Indien werden aktuell über ein deutsches Bankinstitut abgewickelt. Dabei entstehen vergleichsweise hohe Transaktionsgebühren. Eine Abwicklung über einen Dienstleister, der auf ausländische Geldtransaktionen spezialisiert ist, verspricht deutliche Einsparungen – ein passender Anbieter muss aber erst einmal gefunden werden und ein Wechsel ist nicht immer ohne Risiko und Aufwand.

Thorsten Ludwig beschäftigt drei feste und sieben freie Mitarbeitende, die den Online-Handel abwickeln und das Ladengeschäft in Dießen am Ammersee betreuen. In Sachen Digitalisierung allgemein sind sie schon recht weit fortgeschritten. 2020 wurde Sole Runner für den Multi-Channel-Vertrieb über mehrere Online-Shops und -Plattformen, das integrierte Warenwirtschaftssystem sowie das weitestgehend papierlose Büro mit der Auszeichnung „Digitaler Champion im bayerischen Einzelhandel“ geehrt. Auf das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg ist Gründer und Inhaber Thorsten Ludwig über das Thema Finanzen 4.0 aufmerksam geworden. Hier gibt es noch Handlungsbedarf, da finanzielle Transaktionen in das nicht-europäische Ausland nach wie vor über das deutsche Bankinstitut getätigt werden, was hohe Kosten verursacht.

Auslandstransfers über das deutsche Bankinstitut sind deshalb teuer, da auf dem traditionellen Weg bis zur indischen Ziel-Bank oftmals sogenannte Korrespondenzbanken dazwischengeschaltet sind, die alle eigene Gebühren für die Weiterleitung des Geldes verlangen. Besser wäre es, einen Dienstleister zu finden, der beispielsweise über kürzere und intelligente Routen Gebühren einspart oder über Multiwährungskonten direkt in indischen Rupien nicht nur Wege, sondern auch Wechselgebühren spart. Besonders wichtig sind dabei für Sole Runner neben den Kosten die folgenden Faktoren: Schnelligkeit, Transparenz und Sicherheit.

Ein Kriterienkatalog zur Orientierung im Anbieterdschungel

Mit dem Ziel, Anbieter zu identifizieren, die diesen Faktoren gerecht werden, entwickelten die Mittelstand-Digital Expert:innen Dr. Stephan Weber und Simone Sauerwein von ibi research gemeinsam mit dem Sole-Runner-Inhaber Thorsten Ludwig einen detaillierten Kriterienkatalog. Die Leitfragen „Welche Informationen sind notwendig, um eine Bewertung durchführen zu können?“ und „Was ist besonders wichtig?“ führten zu einer langen Liste an Faktoren, die wiederum in die Kategorien „zwingend“ und „optional“ eingeteilt wurden. Für Herrn Ludwig ist zum Beispiel von zentraler Bedeutung, einen direkten persönlichen Kundensupport – keinen Online-Chat-Bot – zu haben, ein geringes Risiko einzugehen und möglichst transparent über die Vorgänge und damit verbundenen Kosten des Dienstleisters informiert zu werden.

Aus über 40 identifizierten potenziell in Frage kommenden Anbietern filterten die Expert:innen in einem ersten Durchgang alle heraus, die beispielsweise nur Privatkunden betreuen, Indien als Zielland nicht im Portfolio haben oder keinen deutschsprachigen Kundensupport bieten. Im nächsten Schritt wurde weiter aussortiert: Welche weisen genügend Auskunft über die anfallenden Kosten aus? Wie sind die geschätzten Ausführungszeiten? Wo ist der Sitz des Anbieters, wie alt ist dieser und wie viele Kunden werden betreut? Werden Multiwährungskonten angeboten und wann fallen Umrechnungskosten an? So blieben am Ende sechs Dienstleister übrig, die es sich nun lohnt, noch genauer unter die Lupe zu nehmen und beispielsweise Termine mit Vertreter:innen des Anbieters zu vereinbaren oder die AGB genauer zu studieren.

Erste Schritte zum Erfolg – Test-Transaktionen

Im finalen Schritt folgt dann der Test. Das bedeutet, bei einem oder zwei der ausgewählten Anbieter einen Account bzw. ein Konto zu eröffnen und mit kleineren Beträgen Transaktionen durchzuführen, um überprüfen zu können, ob Geschwindigkeit, Transparenz und vor allem Kosten den Erwartungen entsprechen. In diesem Zuge kann Herr Ludwig auch direkt den Kundensupport, der ihm besonders wichtig ist, auf Herz und Nieren prüfen.

Es ist aus Risiko- und Sicherheitsgesichtspunkten sinnvoll, den neuen Anbieter erst einmal für kleinere Beträge zu nutzen und größere Transaktionen wie bislang über das deutsche Bankinstitut abzuwickeln. Thorsten Ludwig ist bereit das Thema anzupacken: „Auch wenn dieser Schritt erst einmal Aufwand bedeutet, ist er angesichts steigender Produktionskosten und einer volatilen Marktsituation in der heutigen Zeit ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.“

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Die Bedeutung der Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nimmt aufgrund globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel zu. Nachhaltige Geschäftspraktiken können nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch Kosten senken. KMU müssen sich angesichts rechtlicher Neuerungen wie dem European Green Deal mit nachhaltigen Finanzpraktiken auseinandersetzen und Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) in ihre Prozesse integrieren. In diesem Kontext wird beleuchtet, was kleine und mittlere Unternehmen beachten müssen.

Nachhaltige Finanzierung – Herausforderung für KMU

Der Green Deal, Europas ehrgeiziges Nachhaltigkeitsprojekt, nimmt immer konkretere Formen an.[1] Besonders wichtig ist dabei das Konzept des Sustainable Finance, das darauf abzielt, Finanzströme und Investitionen nachhaltiger zu gestalten. Durch den Green Deal strebt die Europäische Union (EU) eine umfassende Transformation der europäischen Wirtschaft an, um Umweltschutz, den Stopp des Klimawandels, faire Arbeitsbedingungen und die Durchsetzung der Menschenrechte zu fördern. Sogenannte Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) dienen als Leitprinzipien und Bewertungskriterien, die in verschiedenen rechtlichen Instrumenten zur Umsetzung des Green Deals integriert sind. Dabei setzt die EU vor allem auf drei regulatorische Maßnahmen, um Kapital in nachhaltige Projekte zu lenken: die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Während einige dieser Vorschriften bereits für Banken, Finanzvermittler und Großunternehmen gelten, sollen bald auch größere Mittelständler und schließlich kleine und mittlere Unternehmen die neuen Vorschriften umsetzen müssen. Was bedeutet das insbesondere für KMU?

Rolle der EU-Taxonomie auf dem Weg zur grünen Wirtschaft

Kurz gesagt: Die EU plant, finanzielle Mittel künftig unter Berücksichtigung ihrer Nachhaltigkeitsziele zu vergeben. Das bedeutet, dass Projekte, die diesen Zielen nicht entsprechen, entweder gar nicht oder zu weniger vorteilhaften Konditionen finanziert werden. Dies soll zu einem grüneren Kredit- und Kapitalmarkt führen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung festzustellen, wann ihre Geschäfts- oder Investitionsvorhaben als nachhaltig gemäß den Vorgaben der EU und der Bundesregierung gelten und wie dies dokumentiert werden kann. Hierbei spielt die EU-Taxonomie eine zentrale Rolle, indem sie wirtschaftliche Aktivitäten identifiziert, die als nachhaltig betrachtet werden können, und sich an sechs definierten Nachhaltigkeitszielen orientiert:

  • Klimaschutz,
  • Anpassung an den Klimawandel,
  • nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen,
  • Übergang zur Kreislaufwirtschaft,
  • Vermeidung von Umweltverschmutzung sowie
  • Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen.[2]

Bislang sind vor allem die Ziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ausgearbeitet, während die anderen sukzessive folgen sollen. Eine wirtschaftliche Tätigkeit wird als nachhaltig gemäß der Taxonomie betrachtet, wenn sie wesentlich zu mindestens einem der sechs Ziele beiträgt, keine erheblichen Schäden an anderen Zielen verursacht und soziale Mindeststandards einhält.

Wenn ein KMU beispielsweise seine Verpackungen auf umweltfreundliche Materialien umstellt, seine Lieferkette auf faire Arbeitsbedingungen prüft oder erneuerbare Energien in seinen Betrieb integriert, könnte dies als nachhaltige Maßnahme gemäß der Taxonomie betrachtet werden. Um jedoch einen Mehrwert daraus zu ziehen, ist es wichtig, Kund:innen und Investor:innen über diese Maßnahmen zu informieren. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) für Unternehmen und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) für Finanzdienstleister und Investmentgesellschaften legen fest, wie über solche Initiativen berichtet werden soll. Im Wesentlichen erfordern sie einen nichtfinanziellen Bericht, der neben dem Geschäftsbericht Details wie Klimaschutzaktivitäten und ihre quantitativen Auswirkungen enthält.

EFRAG-Initiative – freiwilliger KMU-Standard für nachhaltige Berichterstattung

Die SFDR ist bereits in Kraft und zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten wie Investmentfonds transparent zu machen. Dies hat dazu geführt, dass sowohl Investmentgesellschaften als auch Verbraucher:innen vermehrt auf nachhaltige Investitionen setzen. KMU stehen jedoch noch vor Herausforderungen. Die CSRD-Vorschriften der EU müssen bis Juli 2024 in nationales Recht umgesetzt werden.[3] Dann wird voraussichtlich die Anzahl der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen müssen, von derzeit 500 kapitalmarktorientierten Unternehmen auf 15.000 steigen, schätzt die Deutsche Industrie- und Handelskammer – und wird damit auch den deutschen Mittelstand betreffen.[4] Zunächst sind kleine und mittlere kapitalmarktorientierte Betriebe von der Berichtspflicht betroffen, später dann auch kleinere, nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), die die Europäische Kommission bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstandards unterstützt, nun einen Entwurf für einen freiwilligen KMU-Standard (Voluntary SME Standard) vorgestellt.[5] Dieser Standard soll es KMU ermöglichen, Anfragen nach ESG-Informationen von größeren Unternehmen oder Finanzinstitutionen einheitlich zu beantworten. Der Erfolg dieses Standards hängt von der Selbstverpflichtung der größeren Marktteilnehmer ab. Eine Konsultation zum Voluntary SME Standard wird im Januar stattfinden, wobei die endgültigen Standards voraussichtlich bis Ende 2024 fertiggestellt sein werden und als Empfehlung veröffentlicht werden, um sich im Markt zu etablieren.

 

[1] https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/Fokusrisiken/Fokusrisiken_2024/RIF_Trend_2_Nachhaltigkeit/RIF_Trend_2_Nachhaltigkeit_node.html
[2] https://www.bmuv.de/faqs/taxonomie-und-die-rechtliche-grundlage
[3] https://www.csr-in-deutschland.de/DE/CSR-Allgemein/CSR-Politik/CSR-in-der-EU/Corporate-Sustainability-Reporting-Directive/corporate-sustainability-reporting-directive-art.html
[4] https://www.dihk.de/de/ueber-uns/die-ihk-organisation/neue-nachhaltigkeitsberichterstattung-93090
[5] https://www.haufe.de/sustainability/strategie/konsultationsentwuerfe-esrs-kmu-veroeffentlicht_575772_614368.html

Digitale Dienstleistungen und Services gewinnen im Bereich der Unternehmensfinanzierung immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile besteht die Möglichkeit, Finanzierungen über Online-Kreditplattformen abzuwickeln. Diese Art der Finanzierung ist für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aber noch eine große Ausnahme. Welche Potenziale die digitale Finanzierungsalternative bietet, soll hier dargestellt werden.

Finanzierung im Mittelstand im Umbruch

Während der Corona-Pandemie erlebte das Thema Digitalisierung einen Auftrieb – insbesondere bei der Kreditgenehmigung und -vergabe. Denn gerade in den vergangenen Monaten wurde deutlich, wie existenzsichernd schnelle Kreditzusagen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen mit Liquiditätsengpässen sind. Damit Betriebe laufenden Kosten beispielsweise mit Hilfe eines Betriebsmittelkredits decken oder Investitionen realisieren können, ist schnelles Fremdkapital unabdingbar, wenn die unternehmenseigenen Eigenkapitalreserven krisenbedingt schwinden.

Geprägt durch eine langjährige Geschäftsbeziehung ist dabei die Hausbank die erste Anlaufstelle vieler KMU. Doch gerade kleinere Unternehmen benötigen geringere Kreditvolumen, die jedoch aufgrund der internen Kostenstruktur für Banken oft nicht rentabel sind. Auch ist die Bereitschaft zur Kreditvergabe der Hausbank oftmals an Sicherheiten und eine bestimmte Höhe des Eigenkapitals geknüpft.

Das Angebot an digitalen Alternativen wächst jedoch und so haben sich mittlerweile neue Finanzierungsmöglichkeiten wie digitale Kreditplattformen entwickelt. Unter dem Begriff Online-Kreditplattform werden digitale Plattformen zur Beschaffung von externen Finanzierungsmitteln zusammengefasst.[1]

Kreditplattformen im Überblick

Online-Kreditplattformen lassen sich im Wesentlichen in drei Arten unterteilen: Vergleichsplattformen, Vertriebsplattformen und Kreditmarktplätze.[2]

Vergleichsplattformen unterstützen bei der Suche nach einem passenden Angebot, sie dienen als Vermittler zwischen Kreditnehmern und zahlreichen möglichen Finanzierungspartnern. Beispielhaft sind hierfür Compeon oder FinCompare. Diese Finanzierungsplattformen greifen auf ein Netzwerk aus über 250 Finanzdienstleistern zurück und bieten den Unternehmen eine Vielzahl an Finanzierungslösungen.

Dagegen gewähren Vertriebsplattformen Zugang zu bestimmten Kreditangeboten von einem oder wenigen Finanzierungspartnern. Klassische Kreditgeber wie beispielsweise die Direktbank ING, verbergen sich hinter Vertriebsplattformen wie Lendico. Sogenannte White Label Kreditgeber wie die Solaris nutzen ihre Banklizenz für die Kreditvergabe, bleiben jedoch im Hintergrund.

Auf Kreditmarktplätzen wie Creditshelf und Invesdor, treffen kreditsuchende Firmen auf potenzielle Investoren. Dabei stellen interessierte Unternehmen zunächst eine Finanzierungsanfrage und erhalten nach einer Risikobewertung ein entsprechendes Kreditangebot, welches von institutionellen oder privaten Anlegern finanziert wird.

Digitale Plattformen punkten bei Antragsabwicklung

Alle Arten von Kreditplattformen haben gemeinsam, dass sie über digitale, standardisierte und weniger persönliche Finanzierungsprozesse verfügen.[3] Während bei der Hausbank Kreditsachbearbeiter:innen den gesamten Antrag manuell prüfen, erfolgt die Begutachtung auf Plattformen mittels automatisierter Prozesse. Sobald die Prüfung abgeschlossen ist, liegt bereits ein Angebot, oftmals innerhalb einiger Minuten, vor. Je nach Plattformanbieter werden in der Regel zwischen 24 und 72 Stunden benötigt, um ein Kreditangebot zu erstellen. Automatische und digitale Abläufe ersetzen somit die klassische Prüfung und bieten genau in diesem Punkt einen erheblichen zeitlichen Vorteil und eine entsprechend zügige Planungssicherheit für die Unternehmen.

Auch haben jene KMU Chancen, die einen stabilen Kapitalfluss aufweisen, jedoch nicht über die bankenüblichen Sicherheiten verfügen. Außerdem reduziert das Angebot mehrerer Finanzierungsanbieter vor allem die Suchkosten, was gerade kleineren Unternehmen, mit oftmals geringen personellen Kapazitäten die Arbeit erleichtert. Durch die erhöhte Transparenz haben Unternehmen zudem bessere Möglichkeiten, sich die günstigsten Konditionen für die von ihnen gewünschte Finanzierung zu suchen. Infolgedessen können sie Abhängigkeiten reduzieren bzw. ihren Finanzierungsmix erweitern, was gerade in Krisenzeiten hilfreich sein kann.

Digitale Finanzierungslösungen gewinnen an Bedeutung

Kleine und mittlere Unternehmen, die auf der Suche nach einer passenden Finanzierung sind, sollten nicht nur Bankinstitute in Betracht ziehen. Online-Kreditplattformen punkten vor allem mit einem breiten Angebot, Schnelligkeit und Transparenz. Insbesondere die vergangenen Krisenmonate haben deutlich gezeigt, wie essenziell rasche Kreditzusagen für mittelständische Unternehmen im Hinblick auf bestehende Herausforderungen sein können. Es lohnt sich also für KMU, ihren Finanzierungsmix zu erweitern.

 

[1] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_665152.html
[2] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_665152.html
[3] https://www.ifm-bonn.org/forschung/strategische-unternehmensfuehrung/detailansicht/fintechs-chancen-fuer-den-deutschen-mittelstand

Am 01. März 2022 startete das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg mit dem Ziel, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und das Handwerk bei der Digitalisierung zu unterstützen. Das Zentrum wurde im Rahmen des Förderschwerpunktes „Mittelstand-Digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gegründet und wird mit rund 5 Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

Dem neuen Zentrum ging das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg voraus, welches in den letzten fünf Jahren zum etablierten Ansprechpartner für die Digitalisierung im Mittelstand in Bayern geworden ist. Neben dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg gehören 27 weitere Zentren zum Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital. Die in diesem Netzwerk vorhandenen Kompetenzen ergänzen sich und stellen ein flächendeckendes Unterstützungsangebot für KMU bereit. Durch die Vernetzung der Zentren bei Mittelstand-Digital bietet jedes Zentrum eine Anlaufstelle für Unternehmen, um sämtliche Fragestellungen der Digitalisierung im Mittelstand qualifiziert beantwortet zu bekommen.

Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg besitzt insbesondere die Schwerpunkte „Nachhaltigkeit“, „Digitale Strategien“, „Künstliche Intelligenz“, „Arbeit 4.0“, „Finanzen 4.0“ und „Vernetzte Produktion & Logistik“. In zielgruppengerecht aufbereiteten Angeboten wird dieses Wissen gebündelt, aufbereitet und praxisnah vermittelt. Unterschiedliche Transferleistungen bieten Unternehmen bedarfsorientierte, kostenfreie Zugänge und Wege zum „Unternehmen der Zukunft“: Von einer Factory- oder Lab-Tour, bei der Digitalisierungslösungen live erlebt werden können, über eine vertiefende Schulung zur fachlichen Weiterbildung bis hin zur Umsetzung eines langfristigen Projektes gemeinsam mit dem Zentrum.

Die primäre Zielgruppe des Zentrums Augsburg umfasst das produzierende Gewerbe, das Handwerk sowie die produktionsnahe und konsumentenorientierte Dienstleistungswirtschaft. In erster Linie werden KMU angesprochen, die aufgrund einer geringeren Mitarbeiteranzahl stärker auf externe fachliche und personelle Unterstützung angewiesen sein könnten. Ein besonderes Anliegen ist es, auch in entlegenere Regionen in Bayern vorzudringen, um sämtlichen Unternehmen – egal ob in ländlicher Umgebung oder in der Nähe zu den Standorten des Zentrums – ein unterstützender Partner zu sein.

Zur bestmöglichen Unterstützung der KMU arbeitet im Rahmen des Mittelstand-Digital Zentrums Augsburg ein Konsortium unterschiedlicher Vertreter aus Forschung und Transfer zusammen. Als Forschungspartner mit umfassendem Know-how in Bezug auf digitale Strategien und Industrie 4.0 bringt sich die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. mit seinen beiden Instituten, dem Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV und dem Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen IIS in das Projekt ein. Zudem agiert das Forschungs- und Transferinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme (fortiss) als Experte im Bereich von Softwarelösungen und KI, die ibi research an der Universität Regensburg GmbH für den Themenbereich Finanzen 4.0 sowie die Technische Universität München mit dem Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik (fml) und dem Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) für die Bereiche Logistik, Nachhaltigkeit und Arbeit 4.0 in der Produktion. Als Schnittstelle zu den Unternehmen ist der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. mit seiner Geschäftsstelle in München (VDMA Bayern) am Zentrum beteiligt, der zugleich die Leitung des Zentrums innehat.

Die Corona-Pandemie hat das Konsumverhalten verändert. Das zeigt sich auch im Bezahlverhalten der Deutschen. Wie sich das genau entwickelt hat, hat sich unser Projektpartner ibi research zusammen mit dem Digital Commerce Research Network (DCRN) angesehen. Dabei wurden mehr als 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten zu ihren neuen Gewohnheiten befragt.

Nachhaltige Veränderungen im Bezahlverhalten

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Konsument:innen auf den Kopf gestellt. Gesundheitliche Sorgen oder finanzielle Ängste beschäftigen aktuell zahlreiche Menschen in Deutschland und weltweit. Gleichzeitig sind Lockerungen in Kraft getreten und ermöglichen Restaurantbesuche und Einkaufserlebnisse in Einzelhandelsgeschäften.

Im vergangenen Jahr mussten potenzielle Konsument:innen auf zahlreiche stationäre Angebote verzichten. An deren Stelle traten vermehrt digitale Services. Mehr als die Hälfte der Befragten hat vor der Corona-Pandemie am liebsten mit Bargeld bezahlt. Dieser Anteil ist in den vergangenen Monaten stark gesunken: Nur noch 34 Prozent haben ihre Einkäufe bar gezahlt, nach Ende der Pandemie planen lediglich 39 Prozent wieder hauptsächlich Bargeld zu verwenden (vgl. Abbildung 1). Besonders die jungen Kundinnen und Kunden haben sich umorientiert und nutzen jetzt andere Möglichkeiten.

Abbildung 1: Genutzte und geplante Bezahlmethoden vor, während und nach der Corona-Pandemie

Kontaktloses Bezahlen wird beliebter

Gesteigerte Hygienemaßnahmen während der Pandemie führten dazu, dass die Kundschaft verstärkt auf kontaktlose Bezahloptionen hingewiesen wurde. Dass dieses Angebot auch rege genutzt wurde, bestätigen die Umfrageergebnisse. Sowohl bei der girocard (+ 12 Prozent) als auch bei Kreditkarten (+ 4 Prozent) wurde häufiger kontaktlos durch Auflegen auf das Kassen-Terminal bezahlt. Der Großteil dieser Kundinnen und Kunden möchte das auch zukünftig beibehalten. Eine noch immer geringe Nutzerbasis haben Zahlungen per Smartphone und Smartwatch ausgelöst. Allerdings hat auch hier die Corona-Pandemie für leichten Aufschwung gesorgt: Vier Prozent der Befragten möchten nach Ende der Pandemie weiterhin mit dem Smartphone bezahlen, knapp ein Prozent mit einer Smartwatch (vgl. Abbildung 1).

Bezahlen im E-Commerce: Rechnung und PayPal liegen vorne

PayPal ist und bleibt bei den Befragten das beliebteste Zahlungsverfahren im Online-Handel. Nur bei höheren Beträgen ab 500 Euro gehen die Käuferinnen und Käufer auf Nummer sicher und wählen Zahlung auf Rechnung. Auf Platz 3 der beliebtesten Zahlverfahren ab 30 Euro steht die Kreditkarte (vgl. Abbildung 2).

Abbildung 2: Genutzte Zahlungsverfahren beim Einkauf in Online-Shops

Die teilweise resultierende Verschlechterung der Nutzerfreundlichkeit durch eine starke Kundenauthentifizierung (SKA) bei Zahlung mit Kreditkarte veranlasst rund ein Fünftel der Befragten dazu, ihre Kreditkarte seltener zu verwenden. Gleichzeitig schätzen aber 77 Prozent die gesteigerte Sicherheit durch die SKA und finden den Zusatzaufwand überschaubar (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Auswirkungen der SKA auf die Zahlung mit Kreditkarte

Ein bedenklicher Anstieg zeigt sich bei der Nutzung von Teilzahlungsoptionen oder Ratenkrediten während der Corona-Pandemie (vgl. Abbildung 4): 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nutzten diese häufiger als sonst oder zum ersten Mal – der Weg in die Schuldenfalle? Ein Blick auf die Zahlen des statistischen Bundesamtes unterstreicht diese Gefahr[1]. Im Vergleich zum Jahr 2015 sind die Bundesbürger unter 20 Jahre, die bei einer Schuldnerberatungstelle als überschuldet erfasst wurden, um über 41 Prozent gestiegen.

Abbildung 4: Nutzung der Teilzahlungsoptionen bzw. Ratenkredite bei Online-Bestellungen

Online-Handel: einzige Chance für ländliche Regionen und Bedrohung für die
deutschen Innenstädte?

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Corona-Pandemie das Konsumverhalten in Deutschland verändert hat – jedoch in unterschiedlichen Ausmaßen. Aufgrund der Lockdowns wurde zunächst über alle Alters- und Käufergruppen mehr online eingekauft. Doch nicht bei jedem wird dies zu einer nachhaltigen Konsumveränderung führen. In ländlichen Regionen Deutschlands mangelt es unter Umständen an einer großen Auswahl von verschiedenen Produkten und Dienstleistungen. Knapp zwei Drittel sehen daher den Online Handel als einzige Möglichkeit, auf diese zuzugreifen. Allerdings wird das Einkaufen im Internet von vielen Bürgerinnen und Bürgern auch als Bedrohung wahrgenommen. Nur jeder Zehnte sieht im Online Handel keine Gefahr für die deutschen Innenstädte. Knapp die Hälfte erwartet in den nächsten drei Jahren das Verschwinden von zahlreichen stationären Geschäften (vgl. Abbildung 5).

Abbildung 5: Einschätzung zum Handel und Einkaufsverhalten

Quelle: Die Ergebnisse stammen aus einer von ibi research an der Universität Regensburg research zusammen mit dem Digital Commerce Research Network (DCRN) durchgeführten Studie (Befragungszeitraum: Juli 2021, CAPI-Befragung, 1.014 Teilnehmer). Kostenlos verfügbar unter: https://ibi.de/veroeffentlichungen/dcrn-2021.

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Vermoegen-Schulden/_inhalt.html#sprg233606

Bereits seit einiger Zeit zeichnet sich ein Rückgang der Zahlungen mit Bargeld ab. Denn in Zeiten der Digitalisierung schreitet auch der Übergang zur bargeldlosen Gesellschaft voran und immer häufiger werden Zahlungen mit Karten oder z. B. Smartphones getätigt. Doch die Entwicklung geht noch viel weiter hin zum digitalen Geld, den sogenannten Kryptowährungen. Derzeit testet beispielsweise die Europäische Zentralbank eine digitale Version der Gemeinschaftswährung Euro, die als Ergänzung zum Bargeld fungieren soll. Welche Möglichkeiten und auch Grenzen digitales Geld für kleine und mittlere Unternehmen bietet, soll hier dargestellt werden.

Was sind digitale Währungen?

Digitale Währungen, ebenfalls als Kryptowährungen bezeichnet, werden von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde definiert als „digitale Abbildung von Wert, der nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wird und auch keine Verbindung zu gesetzlichen Zahlungsmitteln haben muss. Virtual Currency (virtuelle Währungen) werden von natürlichen und juristischen Personen als Tauschmittel verwendet und können elektronisch übertragen, verwahrt oder gehandelt werden“. Bereits jetzt bieten digitale Währungen, und vor allem die Technologie dahinter, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) konkrete Anwendungsbereiche.

Wie funktionieren digitale Währungen?

Die wichtigste technische Grundlage von digitalen Währungen bzw. Kryptowährungen ist die Distributed Ledger Technologie. Darunter wird eine dezentrale Datenbank verstanden, in welcher alle Daten zu Inhabern und Bewegungen verschlüsselt gespeichert werden – und das nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf mehreren tausend Servern fast zeitgleich. Jede Transaktion ist so dezentral in einem Netzwerk gespeichert. Darum ist es fast unmöglich, Transaktionen zu fälschen. Intermediäre, die zwischen den jeweiligen Transaktionspartnern vermitteln, sind nicht mehr notwendig. Denn das digitale Geld benötigt keine Banken mehr, die Inhaber selbst werden zum Finanzinstitut.

Inzwischen gibt es viele Kryptowährungen – eine der bekanntesten ist der Bitcoin. Die klassische Variante um z. B. als Unternehmen in Bitcoin zu investieren ist, sich zunächst eine Bitcoin-Wallet zuzulegen, eine virtuelle Geldbörse, in der die Bitcoins gespeichert werden. Die Wallet hat eine öffentliche Kontonummer und einen privaten Schlüssel, mit dem man sie verschließen kann. Eine andere Möglichkeit ist, bei einer der zahlreichen Bitcoin-Handelsplattformen ein Konto einzurichten. In diesem Fall werden die Bitcoins nicht lokal auf dem Computer oder dem Handy gespeichert, sondern auf der Plattform. Die Erzeugung von Bitcoins ist von Beginn an so angelegt, dass es nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben wird. Ihr Kurs soll sich demnach stabilisieren, sobald alle 21 Millionen Bitcoins im Umlauf sind. Aktuell sind die Schwankungen noch relativ groß. Mitunter wirken sich die Schließungen von Bitcoin-Börsen oder die Furcht vor staatlicher Regulierung auf den Kurs aus. Zusätzlich gerät die digitale Währung immer wieder unter Druck, weil Hacker Kryptowährungsplattformen leerräumen. Dies alles trägt dazu bei, dass die Akzeptanz des Bitcoins als Zahlungsmittel außerhalb der digitalen Welt kaum vorhanden ist.

Von wem werden digitale Währungen ausgegeben?

Bislang ist digitales Geld fast ausschließlich privatwirtschaftlich organisiert. Die wohl bekannteste Währung, der Bitcoin, wird meist in riesigen „Mining-Farmen“ hergestellt. Dort rechnen zahlreiche Computer mit Hochleistungschips rund um die Uhr, um die nächste Rechenaufgabe zu lösen. Neue Bitcoins, also digitale Münzen, werden erschaffen, indem Nutzer für die Verschlüsselung und Validierung von Transaktionen Rechnerkapazitäten zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erhalten sie Bitcoins dafür. Mit Bitcoins können digitale Überweisungen weltweit getätigt werden. Es gibt keine zentrale Stelle, die die Transaktionen steuert, überwacht und speichert. Dies übernimmt das Netzwerk aus allen Nutzern: Hier werden alle Daten dezentral überprüft und verschlüsselt abgelegt. Von anderen Digitalwährungen, die Zentralbanken und Tech-Firmen derzeit entwickeln, unterscheidet sich Bitcoin dadurch grundlegend.

Die Kryptowährung Tether, herausgegeben von Tether Limited, ergänzt Zahlungsnetzwerke wie den Bitcoin jedoch um eine völlig neue Komponente. Während der Bitcoin vor allem von starken Kursschwankungen geprägt ist, stellt Tether einen sogenannten Stablecoin dar – also eine wertstabile Kryptowährung. Durch die Kopplung an den US-Dollar ist Tether somit nicht so volatil wie der Bitcoin. Auch der Zahlungsdienst Paypal prüft aktuell die Einführung eines eigenen Stablecoin, der durch den US-Dollar gedeckt sein soll.

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert ebenfalls auf diese Entwicklungen und wägt in den nächsten Jahren mit dem digitalen Euro eine staatliche Alternative ab. Ein digitaler Euro wäre somit das erste digitale gesetzliche Zahlungsmittel für den Euroraum. Diesen kann man sich tatsächlich als papierlose Alternative zum Bargeld vorstellen. Verbraucher werden dann in Zukunft eine Wallet, wie bei dem Bitcoin, z. B. auf dem Smartphone besitzen, in der digitale Scheine und Münzen verwahrt werden können. Wie der digitale Euro am Ende ganz genau aussieht, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber so viel ist bereits klar: der digitale Euro wird wie das Bargeld von der EZB ausgegeben und kontrolliert. Im Unterschied zum Bitcoin und zu anderen Kryptowährungen behält also die Notenbank die Kontrolle über die Währung und will damit die Geldwertstabilität und Sicherheit des Zahlungssystems garantieren. Aber auch andere Notenbanken sind bereits dabei digitale Währungen auf den Weg zu bringen: China beispielsweise arbeitet an dem digitalen Yuan und Schweden an der digitalen Krone. Als weltweit erstes Land haben die Bahamas im Oktober 2020 den Sand Dollar als digitales Zentralbankgeld eingeführt.

Welchen Nutzen bieten digitale Währungen für KMU?

  • Alternative aber ggf. auch hochriskante Anlageklasse in Zeiten niedriger Zinssätze
  • Zusätzliches Zahlungsmittel für den Online- und/oder internationalen Vertrieb von Dienstleistungen und Produkten
  • Schnelligkeit und Kostenreduzierung bei Zahlungen
  • Unterscheidungsmerkmal beim Wettbewerb um Kunden und eventuell beim Zugang zu Märkten
  • Machbarkeitsstudien, um den weiteren Einsatz der Blockchain-Technologie z. B. für Logistikketten zu prüfen

Welche Einsatzmöglichkeiten für KMU gibt es?

Kryptowährungen etablieren sich zunehmend im Zahlungsverkehr. So kann beispielsweise der Bitcoin als Zahlungsmittel im einem Online-Shop genutzt werden. Angesichts der hohen Kursschwankungen des Bitcoins erscheint dies jedoch wenig sinnvoll. Ein Einsatz von Stablecoins oder digitalen Währungen hingegen zeichnet sich immer mehr als Alternative zu den klassischen Bezahlverfahren ab. Zudem bietet die Technologie, auf der die digitalen Währungen basieren, viele weitere Möglichkeiten.

Auf Basis der Blockchain-Technologie kann z. B. der konventionelle Zahlungsverkehr mit dem Kerngeschäft verknüpft werden. Dadurch können programmierbare, von der Blockchain ausgelöste Zahlungen auch im klassischen Zahlungsverkehr ausgeführt werden. Ein denkbares Einsatzgebiet wäre die nutzungsabhänge Abrechnung von kreditfinanzierten Maschinen. Durch Sensorik und datengetriebene Steuerung zahlt das Unternehmen den Kredit für die Maschine nur dann, wenn diese tatsächlich genutzt wird. Es handelt sich dabei um ein vollautomatisiertes Geschäftsmodell, das durch programmierbare Zahlungen ermöglicht wird. Sogenannte Smart Contracts (intelligente Verträge) bieten mittels der Blockchain-Technologie eine Brückenlösung und schaffen eine technologische Plattform, um Zahlungen automatisch abzuwickeln. Somit kann das stetig größer werdende Potenzial von Automatisierungs- und Vernetzungsvorgängen in der Wirtschaft mithilfe digitaler Währungen ausgeschöpft werden. In Zukunft werden digitale Währungen demnach einen wesentlichen Bestandteil im Zahlungsverkehr ausmachen.

Der vierte und letzte Teil unserer Artikelreihe „Status quo im B2B-E-Commerce“ betrachtet die Rechnungseingangs- bzw. ausgangsbearbeitung und die Archivierung von papierhaften und elektronischen Rechnungen in Großhandelsunternehmen.

Die Rechnungsbearbeitung bietet noch zahlreiche Optimierungspotenziale im B2B-
E-Commerce

Da die Rechnung noch immer das beliebteste Zahlungsverfahren im Großhandel ist, wurden die zugehörigen Prozesse in der Studie¹ tiefergehend analysiert.  Die befragten Unternehmen erhalten durchschnittlich 2.342 Rechnungen pro Monat und versenden 6.855 Rechnungen (vgl. Abbildung 1).

Dabei dominiert – über alle Größenklassen hinweg – der Versand via E-Mail (91 Prozent). Sieben von zehn Unternehmen versenden aber zusätzlich auch noch papierhafte Rechnungen bzw. 28 Prozent nutzen EDI (Elektronischer Datenaustausch; Englisch: electronic data interchange) und 22 Prozent bieten einen Abruf der Rechnung per Download an (vgl. Abbildung 2).

Vergleicht man die Werte mit den Analysen aus vorausgegangenen ibi-Studien², zeigt sich eine deutliche Steigerung der per E-Mail versandten Rechnungen von 57 Prozent (2015) bzw. 64 Prozent (2017) auf 91 Prozent (2021). Jedoch wurden die papierhaften Rechnungen nicht im selben Umfang reduziert (vgl. Abbildung 3). Hier besteht noch Potenzial, insbesondere, wenn man an die Themen ökologische Nachhaltigkeit und effiziente Prozesse denkt. In Bezug auf eine möglichst automatisierte Weiterverarbeitung enttäuscht der niedrige Anteil (25 Prozent) von Unternehmen, die beim elektronischen Rechnungsversand strukturierte Daten mit versenden.

Die Untersuchung des Rechnungseingangs zeigt ein ähnliches Bild wie der Versand: 95 Prozent der befragten Unternehmen erhalten Rechnungen via E-Mail, 92 Prozent in Papier, 45 Prozent per Download und 32 Prozent per EDI. Vergleicht man hier die Entwicklungen der letzten Jahre, zeigt sich ebenfalls eine Zunahme der Unternehmen, die elektronischen Formate erhalten (vgl. Abbildung 4).

Eine Abnahme bei den Probanden, die papierhaften Rechnungen erhalten, ist jedoch nicht zu erkennen. Zwar geben die Zahlen keine Auskunft über den Umfang des Rechnungseingangs über die verschiedenen Wege, aber solange alle Wege genutzt werden, müssen in den Unternehmen auch die entsprechenden Prozesse aufrechterhalten werden und verursachen so entsprechende Aufwände.

Der Rechnungseingang birgt ein hohes Fehlerpotenzial

Blickt man auf die Verarbeitung der eingehenden Rechnungen, zeigt die Studie, dass Daten aus Papierrechnungen bei knapp der Hälfte der Großhändler (47 Prozent) noch manuell erfasst werden. Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen. Nur 26 Prozent der großen Akteure erfassen Daten per Hand, 70 Prozent versuchen in der Regel die Rechnungsdaten der Papierrechnung automatisiert, z. B. durch Texterkennung, in ihre Systeme aufzunehmen. Die Rechnung selbst wird von 61 Prozent aller Unternehmen digital erfasst, wobei kleine Unternehmen mit 48 Prozent hier deutlich hinter den mittleren (75 Prozent) und großen Unternehmen (76 Prozent) zurückliegen (vgl. Abbildung 5).

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht: Probleme bei der Archivierung elektronischer Rechnungen

Immer noch herrschen Probleme bei der Archivierung elektronischer Eingangsrechnungen. Zwar archivieren 84 Prozent der Unternehmen die Rechnungen schon gesetzeskonform in digitaler Form, 16 Prozent tun dies jedoch nicht. Da Eingangsrechnungen auf dem Wege zu archivieren sind, über den sie eingehen, kann es hier bei zukünftigen Betriebsprüfungen zu Schwierigkeiten kommen.

Ein Blick auf die Prozessdokumentation zeigt auch einen deutlichen Unterschied zwischen den kleinen und großen Unternehmen: Mehr als 40 Prozent der kleinen Unternehmen haben keinen Prozess der Rechnungsabwicklung dokumentiert, obwohl durch eine Verfahrensdokumentation Rechtssicherheit erzeugt und Kosten gespart werden können.

Daher sollte man Verfahrensdokumentationen nicht nur als lästige Pflicht, sondern auch als Chance sehen, um Prozesse im Unternehmen effizienter zu gestalten.

[1] Die Ergebnisse stammen aus einer von ibi research an der Universität Regensburg durchgeführten Studie (Befragungszeitraum: November 2020 bis Januar 2021, 172 teilnehmende Unternehmen). Kostenlos verfügbar unter: https://ibi.de/veroeffentlichungen/b2b-2021.

[2] „ibi research: Elektronische Rechnungsabwicklung und Archivierung: Fakten aus der deutschen Unternehmenspraxis 2017“ und „ibi research: Elektronische Rechnungsabwicklung und Archivierung – Fakten aus der Unternehmenspraxis“

Im ersten Teil unserer Artikelreihe zum „Status quo im B2B-E-Commerce“ haben wir uns mit den Vertriebskanälen im Großhandel beschäftigt. Die Zahlungsabwicklung im eigenen Online-Shop von Großhandelsunternehmen wurde im zweiten Teil näher beleuchtet.

Im dritten Teil werden das Risikomanagement, die Mahnprozesse und der Stand der Automatisierung dieser Prozesse in Großhandelsunternehmen genauer unter die Lupe genommen. Zusätzlich wird ein Blick auf mögliche Auswirkungen der Corona-Pandemie in diesem Bereich geworfen.

Das Risikomanagement wird in kleinen Unternehmen häufig von der Geschäftsführung übernommen

Grundsätzlich befasst sich das Risikomanagement mit allen Arten von Risiken, die bei einem Unternehmen auftreten können, also z. B. mit Marktrisiken oder Zahlungsausfallrisiken. Bei vier von zehn Großhandelsunternehmen liegt die Verantwortung für das Risikomanagement bei der Finanzabteilung. Kleinen Unternehmen fehlen hierfür oft die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen. Daher ist bei mehr als der Hälfte der kleineren Unternehmen die Geschäftsführung für diesen Aufgabenbereich zuständig (vgl. Abbildung 1).¹

Ein Viertel der Großhändler führt bei Bestellungen keine Risikoprüfung durch

Risikoprüfungen sind beim Verkauf an Konsument:innen im Online-Handel Standard. Im B2B-E-Commerce führen zwar schon 75 Prozent der Unternehmen Risikoprüfungen durch, dabei nutzen aber 27 Prozent nur interne Daten (z. B. bisheriges Bestell- und Bezahlverhalten), was unter anderem bei Neukund:innen schwierig ist. Insbesondere die größeren Unternehmen nutzen sowohl interne als auch externe Datenquellen (Auskunfteien für die Bonitätsprüfung etc.) bei der Risikoprüfung (54 Prozent), während bei den kleinen Akteuren ein Drittel sogar gar keine Prüfung durchführt (vgl. Abbildung 2).

Mehr als ein Drittel der Großhändler kann bei einer Online-Bestellung nicht die Zahlungsfähigkeit des Kunden prüfen

Lediglich 27 Prozent der B2B-Handelsunternehmen können während einer Transaktionsabwicklung im eigenen Online-Shop die Zahlungsfähigkeit eines Kunden bzw. einer Kundin in Echtzeit ermitteln. Ein Drittel prüft die Zahlungsfähigkeit nach Bestelleingang innerhalb der nächsten 24 Stunden. 37 Prozent sind auch zu einer späteren Prüfung nicht in der Lage (vgl. Abbildung 3). Dies könnte bei der erwarteten Zunahme der Verkäufe über Online-Shops, insbesondere auch beim Verkauf an Neukunden, zu einer Steigerung der Zahlungsausfälle führen.

Der kaufmännische Mahnprozess wird von fast allen Unternehmen selbst durchgeführt

90 Prozent der Großhandelsunternehmen mahnen ihre Kund:innen bei ausbleibender Zahlung zunächst selbst ab. Ein Fünftel nutzt hierbei zusätzlich die Angebote von Rechtsanwaltskanzleien oder sonstigen Dienstleistern. Zehn Prozent der mittleren und großen Unternehmen verkaufen zudem ihre offenen Forderungen (vgl. Abbildung 4).

Es gibt kaum eine Verschärfung der Zahlungsziele durch die Corona-Pandemie

Nur ein Drittel der befragten Unternehmen hat aufgrund der Entwicklungen in der Corona-Pandemie seine Zahlungsziele und Bonitätsprüfungen verschärft. 64 Prozent haben keine Änderungen vorgenommen (vgl. Abbildung 5). Durch die Corona-Krise wurde ebenfalls oft diskutiert, ob nicht auch der Einsatz von Absatzfinanzierungsinstrumenten (z. B. Leasing oder Mietkauf) steigen sollte. Hierdurch könnte beispielsweise Absatz forciert und gleichzeitig das Ausfallrisiko auf einen Dienstleister verlagert werden. Die Zahlen der Untersuchung bestätigen diese Vermutung aber nicht: 79 Prozent der befragten Großhändler unterstützen ihren Vertrieb nicht durch Absatzfinanzierungsinstrumente.

Die Prozesse im Risiko- und Debitorenmanagement weisen noch bei vielen Unternehmen Optimierungspotenzial auf – insbesondere, wenn es darum geht, für das Unternehmen die Risiken und Kosten möglichst gering zu halten. Die Nutzung vorhandener Lösungen bzw. externer Dienstleister kann hier schnell Abhilfe schaffen, wird aber nicht der alleinige Schlüssel zu mehr Prozesseffizienz sein.

[1] Die Ergebnisse stammen aus einer von ibi research an der Universität Regensburg durchgeführten Studie (Befragungszeitraum: November 2020 bis Januar 2021, 172 teilnehmende Unternehmen). Kostenlos verfügbar unter: https://ibi.de/veroeffentlichungen/b2b-2021.