Nachhaltigkeit in KMU – wie KI auf dem Weg zur nachhaltigen Finanzierung unterstützt

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen zunehmend vor der Herausforderung, umfangreiche Nachhaltigkeitsdaten zu erfassen und zu berichten, um den steigenden gesetzlichen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Besonders für die eigene Finanzierung wird eine präzise Nachhaltigkeitsberichterstattung immer relevanter, da auch Kreditinstitute ESG-Kriterien in ihre Bewertung miteinbeziehen müssen. KI-Lösungen können dabei unterstützen, Daten effizient zu sammeln und auszuwerten sowie die Berichterstattung zu erleichtern.

Nachhaltigkeitsberichtspflichten betreffen längst nicht mehr nur große Konzerne. Vielmehr folgt aus Richtlinien, steigenden Anforderungen entlang der Lieferketten, den Erwartungen von Kundinnen und Kunden, den Motiven der Beschäftigten und aus dem intrinsischen Bewusstsein der Geschäftsführenden von Unternehmen die Notwendigkeit, auch in kleinen und mittleren Unternehmen künftig belastbare Nachhaltigkeitsdaten zu liefern. Hierbei kann es sich beispielsweise um Daten zum Energieverbrauch, zu CO₂-Emissionen, zu Abfallströmen oder auch zu sozialen Kennzahlen handeln.

Für viele KMU ist dies durchaus herausfordernd: Daten liegen verstreut in Excel-Tabellen, diversen IT-Anwendungen, Rechnungen oder E-Mail-Postfächern. Gleichzeitig fehlt es an Personal, Zeit und Expertise für komplexe Strukturen, um eine Berichterstattung entlang der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance), also der ökologischen, sozialen und „unternehmerischen“ (bezogen auf die Unternehmensführung) Nachhaltigkeit abzubilden.

Moderne KI-Lösungen können hier helfen und Herausforderungen reduzieren, die im weiteren Verlauf des Artikels näher erläutert werden.

Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht als Selbstzweck verstehen

Nachhaltig agierende Unternehmen profitieren von einem positiven Image, sind stabil für die Zukunft aufgestellt und in Krisenzeiten häufig besonders widerstandsfähig. Hinzu kommen politische und regulatorische Zielsetzungen, die den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltig ausgerichteten Wirtschaft steuern. Dies wird über die Lenkung von Kapitalflüssen in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und die Erweiterung der Risikobewertung um ESG-Aspekte vorangetrieben (siehe auch: Sustainable-Finance-Strategie der BaFin [1], Deutsche Sustainable Finance-Strategie [2]).

Die Steuerung der Kapitalflüsse erfolgt dabei unter anderem über nachhaltig strukturierte Finanzierungen, die zumeist auf den ESG-Kriterien basieren. Je besser ein Unternehmen in Bezug auf diese Kriterien aufgestellt ist, desto vorteilhafter können die Finanzierungskonditionen sein. Somit hat eine zielgenaue Berichterstattung, die nachhaltige Aktivitäten aufzeigt, klar an Bedeutung gewonnen.

Nachhaltigkeitsstandards für KMU – von CSRD und ESRS bis VSME

CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und ESRS (European Sustainability Reporting Standards) legen als EU-Richtlinie bzw. Rahmenwerk die Anforderungen an die Berichtspflicht von Unternehmen fest. Beide Vorgaben formalisieren und konkretisieren das Konzept der doppelten Wesentlichkeit. Sie besagt, dass Themen dann berichtspflichtig sind, wenn diese aus finanzieller Perspektive („outside in“) wesentlich sind und / oder die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt wesentlich sind („inside out“). Unternehmen, die die ESRS anwenden, müssen in ihren Nachhaltigkeitserklärungen somit über wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen berichten.

Ziel der CSRD ist die Steigerung von Transparenz und Vergleichbarkeit in Bezug auf die Nachhaltigkeitsinformationen von Unternehmen. Sie erwies sich allerdings schnell als zu komplex und aufwändig für kleine und mittlere Unternehmen, sodass der Anwendungsbereich der CSRD eingeschränkt werden soll. Im Zuge der geplanten Vereinfachungen auf EU-Ebene wird derzeit diskutiert, den Anwendungsbereich der CSRD deutlich einzuschränken und die Schwellenwerte anzuheben.

Dennoch ist das Thema der Nachhaltigkeitsberichterstattung damit für kleine und mittlere Unternehmen nicht zu vernachlässigen. Zum einen aus den bereits genannten Gründen der nachhaltigen Finanzierung, zum anderen aufgrund des sogenannten „Trickle-Down-Effekts“. Letzterer bedeutet, dass große Unternehmen, die zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD verpflichtet sind, ggf. Daten von ihren KMU-Zulieferern anfordern müssen, um ihre Berichtspflichten zu erfüllen. Dieser Kaskadeneffekt führt also wiederum zu entsprechenden Aufwänden bei kleinen und mittleren Unternehmen. Um diesen Aufwand zu reduzieren, bieten sich Tools, Ratings oder Standards an, mit deren Hilfe die Bewertung der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren vereinfacht erfolgen kann.

VSME-Standard – freiwillige Berichtslösung für KMU

Als schlanke, handhabbare Alternative für KMU, die weniger Datenpunkte umfasst und keine komplexe doppelte Wesentlichkeitsanalyse erfordert, ist insbesondere die von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) entwickelte VSME, der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs, hilfreich.

Der VSME ist modular aufgebaut, er umfasst ein Basismodul mit Mindestanforderungen für Kleinstunternehmen. Dieses Basismodul beinhaltet insgesamt 51 Datenpunkte in 11 Bereichen und muss verpflichtend in jedem VSME-Bericht bearbeitet werden. Hinzu kommt ein Zusatzmodul, das freiwillige Inhalte für tiefergehende Informationen für Stakeholder und Geschäftspartner umfasst.

Beide Module umfassen sowohl Datenpunkte, welche von allen Unternehmen bearbeitet werden müssen, als auch Datenpunkte, die nur dann bearbeitet werden, wenn sie für das jeweilige Unternehmen einschlägig sind. Gleichzeitig dient der VSME als „Value-Chain-Cap“, als eine Art „Deckel“, sodass Anfragen anderer Unternehmen die Inhalte des VSME nur in begründeten Fällen übersteigen dürfen.

Datenvolumen, Datenqualität und die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz

Ein KMU muss für eine grundlegende CO₂- oder Nachhaltigkeitsbilanz somit Daten aus unterschiedlichen Bereichen zusammentragen: Strom- und Gasrechnungen, Flottendaten, Abfall- und Entsorgungsinformationen, Lieferantendaten, Reisekostenbelege, Material- und Einkaufsdaten etc.

Das kann zu unterschiedlichen Problemen führen, da z. B.:

  • Daten unvollständig, doppelt, falsch oder gar nicht verfügbar sind,
  • Datensilos einheitliche Sichtweisen verhindern oder
  • manuelle Arbeiten zu Fehlern führen.

Hier können KI-gestützte Tools Abhilfe schaffen, indem sie als Unterstützung bei der Datenerhebung, -sammlung, -aufbereitung und -auswertung eingesetzt werden:

  • KI-basierte Anwendungen sind in der Lage, Daten zu Energieverbrauch, Emissionen etc. aus den ERP-Systemen (zentrale Unternehmenssoftware), aus IoT-Systemen (über das Internet miteinander verbundene Geräte und Maschinen) oder aus dem CRM (der Kundendatenbank) automatisch zu erfassen und strukturiert aufzubereiten. Die KI liest also Rechnungen, Lieferscheine oder PDF-Daten aus und extrahiert z. B. CO₂-relevante Inhalte.
  • KI-basierte Anwendungen können zudem automatisch passende Emissionsfaktoren zuordnen und daraus relevante ESG-Kennzahlen wie CO₂-Emissionen pro Produkteinheit, Wasserverbrauch oder Recyclingquoten berechnen.
  • Mithilfe intelligenter Algorithmen können dabei zugleich Muster, Fehler, Anomalien, fehlende Angaben oder Inkonsistenzen erkannt werden. Darüber hinaus können zukünftige Entwicklungen beispielsweise im Hinblick auf CO₂-Reduktionspfade prognostiziert werden. Auch Trend- und Benchmark-Analysen sind möglich.
  • Hinterlegt sein kann zudem, dass KI-gestützte Assistenten automatisch fehlende Daten anfordern und überprüfen, also z. B. indem sie mit einem Lieferanten in Kontakt treten.
  • Die jeweiligen Ergebnisse werden in übersichtlichen Diagrammen und Berichten visualisiert sowie mittels fertiger Textbausteine beschrieben. Dadurch erhalten Unternehmen eine fundierte Grundlage, um Trends und Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Reports zu generieren.

Vorstellen kann man sich zum Beispiel, dass ein KI-gestütztes Tool zu beantwortende ESG-Fragebögen automatisiert bearbeitet, indem es relevante Informationen und Kennzahlen aus bestehenden Unternehmensdokumenten herausliest. Die zugrunde liegende KI ist dabei speziell auf ESG-relevante Inhalte trainiert, sodass der Berichtsersteller insgesamt deutlich entlastet wird.

Nachhaltigkeit als finanzieller Risikofaktor

Wie eingangs ausgeführt, hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch für kleine und mittlere Unternehmen insbesondere im Zusammenhang mit Finanzierungsanfragen durchaus an Bedeutung gewonnen. So sind seit Januar 2026 neue Leitlinien in Kraft, die ESG-Risiken (also Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken) als echte finanzielle Risikofaktoren für Banken anerkennen und verpflichtend machen. Dies bedeutet, dass Banken in der EU neben Kreditrisiken, Markt- oder Liquiditätsrisiken zukünftig auch ESG-Risiken systematisch in ihr Risikomanagement einbeziehen müssen. Diese sind nicht mehr nur im Nachhaltigkeitsbericht einer Bank zu erwähnen, sondern als Teil der finanziellen Risikobewertung und der internen Steuerung zu betrachten. Gleichzeitig wird verlangt, dass Banken regelmäßig ESG-Risiken identifizieren, messen und bewerten, um zu verdeutlichen, wie stark sich diese auf die finanzielle Situation einer Bank auswirken können.

Damit Banken nun genau diese ESG-Risiken einschätzen können, brauchen sie verlässliche Daten zu den Nachhaltigkeitsfaktoren ihrer Unternehmenskunden bzw. zu deren Investitionen. Ohne qualitativ gute Daten ist eine Risikobewertung kaum möglich. Hintergrund dieser Vorgaben sind klima- und gesellschaftliche Veränderungen, die messbare finanzielle Folgen haben können, indem sie z. B. zu Kreditverlusten oder zu Bewertungsverlusten in Anlageportfolios führen.

Somit fordern Finanzinstitute entsprechende Daten sowie Dokumentationen ein. Beim Fehlen der Informationen kann ein Unternehmen als risikoreicher eingestuft werden, was höhere Zinssätze oder sogar eine Kreditabsage nach sich ziehen kann. Auch können zusätzliche Sicherheiten verlangt werden. ESG-Kriterien werden somit direkt in eine Risikobewertung integriert.

Fazit und Handlungsempfehlungen für KMU

Die Integration von ESG in das Risikomanagement ist nicht als kurzfristiger Trend zu sehen, sondern wird dauerhaft in der Prüfung von Kreditwürdigkeit verankert sein. Nachhaltigkeitsberichte sind für KMU demnach nicht mehr Kür, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. KMU tun gut daran, proaktiv ihre auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Aktivitäten zu messen, zu dokumentieren und ggf. zu präsentieren. Eine ESG-Strategie kann neben den direkten Erkenntnissen auch finanzielle Vorteile bringen.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich dabei auch große Datenmengen schnell, fehlerarm und normgerecht strukturieren – bei überschaubarem Ressourceneinsatz. So wird das Reporting von einer Belastung zu einem echten strategischen Vorteil.

[1] Sustainable-Finance-Strategie der BaFin: https://www.bafin.de/DE/DieBaFin/Sustainable_Finance_Strategie/SF_Strategie_node.html
[2] Deutsche Sustainable Finance-Strategie: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/deutsche-sustainable-finance-strategie.pdf?__blob=publicationFile&v=4