Die attempto GmbH & Co. KG ist eine Unternehmensberatung für IT-Projekte. Aus der hauseigenen Produktentwicklung ist eine digitale Plattform entstanden, in der Mitarbeiterprofile digital verwaltet werden können. Um manuelle Aufwände bei der Pflege der Profile zu reduzieren und die Arbeit mit Mitarbeiterprofilen effizienter zu machen, setzt das Unternehmen Künstliche Intelligenz ein. In der Zusammenarbeit mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg konnte das bereits vorhandene tiefergehende KI-Wissen weiter vertieft und neue Impulse gewonnen werden.

Das Unternehmen attempto aus Oberhaching im Landkreis München ist seit 2006 als Unternehmensberatung für IT-Projekte tätig und bietet dabei unter anderem die Entwicklung kundenindividueller Software sowie Beratung bei der Einführung, Konzeption, Entwicklung und Wartung von IT-Systemen. Zu den Kunden zählen Banken und Versicherungen sowie Unternehmen aus Industrie, Handel und dem öffentlichen Sektor. Eines ihrer Produkte ist eine Softwarelösung, die die Arbeit mit Personalprofilen digitalisiert. Die Anwendung richtet sich an Unternehmen wie beispielsweise Personaldienstleister oder Beratungsfirmen, die regelmäßig Mitarbeiterprofile erstellen und aktualisieren müssen, um diese für Kundenprojekte anzubieten.

Die Kernfunktionen dieser SaaS-Lösung (Software-as-a-Service) sind die Erfassung, Pflege und Verwaltung von Kompetenz- und Erfahrungsprofilen der Mitarbeitenden, sodass auf einer einheitlichen, digitalen Plattform sämtliche Prozesse im Profil- und Angebotsmanagement zentralisiert werden. Die Mitarbeitenden können ihre Qualifikationen und Erfahrungen selbst direkt in der Plattform hinterlegen und aktualisieren. Damit soll gewährleistet werden, dass Vertriebsmitarbeitende auf eine aktuelle und verlässliche Datenbasis zugreifen können, um das passende Personal für Projekte auszuwählen und an Kunden weiterzuvermitteln.

KI wird hier bereits eingesetzt, um die Dateneingabe zu vereinfachen und die Datenqualität so weiter zu steigern. Zudem sind Filter- und Suchfunktionen integriert, um eine gezielte Suche nach bestimmten Qualifikationen und Erfahrungen zu ermöglichen. Allerdings möchte attempto den Einsatz von KI weiter ausweiten, weshalb die Firma den Dialog mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg suchte, um gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln. Die KI-Experten Dr. Martin Gottwald und Alexandros Tsakpinis von fortiss haben die Plattform unter die Lupe genommen und sich die vorhandenen Ideen näher angeschaut. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden von attempto wurden diese diskutiert und neue Ansätze vorgestellt.

Teil-Automatisierte Erstellung der Kompetenzprofile

Da die händische Pflege des eigenen Kompetenzprofils auf der Plattform im Alltag oft zu kurz kommt, wäre eine Möglichkeit den Nutzenden eine KI-gestützte Assistenz zur Seite zu stellen. Ähnlich wie ein Wizard, der bei der Installation von Computerprogrammen hilft, könnte eine solche Assistenz die Nutzenden durch die Maske für die Erstellung der Kompetenzprofile führen.

Dieser Wizard kann so auch beim Erkunden von Kompetenzen helfen: Tippt man beispielsweise eine Fähigkeit ein, wird analysiert, ob ähnliche Kompetenzen bereits im System vorhanden sind. Zudem sind Vorschläge zur Schreibweise oder Hinweise auf typische Stolperfallen möglich. Solch ein Wizard könnte als Recommender-System (dt. Empfehlungsdienst) aufgezogen werden. Nach einer initialen Lernphase, in der die Qualifikationen und deren Zusammenhänge erfasst werden, kann das System anschließend selbstständig Vorschläge machen.

Ein wichtiger Baustein stellt hierbei das Clustern von Kompetenzen dar. Da ein KI-System nicht rein auf die Schreibweise der Fähigkeiten anspringt, sondern auch semantische Ähnlichkeiten erkennen sollte, ist es sinnvoll, die Kompetenzen semantisch zu clustern. Beispielsweise sollten “MS-Word” und “Microsoft Office” nicht als zwei getrennte Fähigkeiten betrachtet werden.

Pflege der Datenbasis und Erhalt der Qualität

Trotz aller Sorgfalt schleichen sich mit der Zeit verschiedene Schreibweisen und Variationen desselben Begriffs ein. Um zu vermeiden, dass Nutzer:innen von Hand den gesamten Datenbestand durchsuchen müssen, um die richtige Schreibweise zu finden, könnte ein Ansatz mittels eines Large Language Model (LLM) Abhilfe schaffen. Ein LLM kann einen Begriff nicht nur als Zeichenkette verarbeiten, sondern dessen Bedeutung und semantische Einbettung erfassen. Dadurch können Begriffe vereint werden, ohne dass fälschlicherweise unterschiedliche Kompetenzen zusammengefasst werden.

Ziel ist es, eine Ausgewogenheit zwischen einer gewissen Freiheit bei der Dateneingabe für die Nutzenden des Systems und der Einheitlichkeit der Datenbank zu schaffen. Würde man im Alltag über die internen Cluster-Namen der Kompetenzen arbeiten, dann wäre eine perfekte Schreibweise garantiert. Allerdings wäre dies eine starke Einschränkung bei der Ausdruckskraft für die Nutzer:innen. Das entgegengesetzte Szenario wäre, dass alle zunächst einfach drauflosschreiben können. Man hätte den optimalen Freiraum bei der Angabe von Kompetenzen, aber die Datenbank würde unter dem Wildwuchs leiden.

Das frühzeitige und regelmäßige Aussprechen von Empfehlungen ohne strikte Limitierungen zu erzwingen, kombiniert mit einem LLM, um die Labels zu aktualisieren und gleichzeitig die Einheitlichkeit zu wahren, könnte ein möglicher Ansatz sein, um die Qualität der Datenbank zu erhalten und die Nutzenden bei der Eingabe von Kompetenzen zu unterstützen.

Wie lässt sich die optimale Lösung finden?

Da attempto bereits über umfassendes KI-Wissen verfügt, konnte das Augsburger Zentrum als Sparringspartner fungieren. Die vorhandenen Ideen und technischen Ansätze wurden vom Unternehmen vorgestellt und im Detail gemeinsam mit den KI-Experten diskutiert. So konnten diese auf Optimierungspotenziale hinweisen sowie bei der Auswahl geeigneter Tools bzw. Methoden zur Hand gehen, indem sie die Anforderungen an die KI-Systeme präzisieren und passende Lösungsansätze in die Diskussion einbringen konnten.

Wichtige Fragen, über die man sich vor und während des Prozesses Gedanken machen sollte, sind:

  • Warum und wofür soll eine KI eingesetzt werden und was soll erreicht werden?
  • Welche Daten sind vorhanden, wie ist deren Qualität und sind diese überhaupt passend für den geplanten Ansatz?
  • Wie kann ermittelt werden, ob ein KI-Ansatz Erfolg hat und wie übersetzt man subjektives Qualitätsempfinden in reproduzierbare Messungen?

Durch die Diskussion dieser Fragen mit den Zentrumsexperten konnte attempto die KI-Ansätze weiter schärfen und sicherstellen, dass diese nicht nur technisch funktionieren, sondern auch den Anforderungen des Unternehmens im Alltag gerecht werden.

Künstliche Intelligenz (KI) hat vor allem durch Chatbots wie ChatGPT an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Möglichkeit, durch Texteingabe neuen Text zu generieren, ermöglicht die Einbindung von Chatbots als Assistenten für verschiedene Prozesse. KI umfasst jedoch ein weitaus größeres Spektrum als generative Sprach- und Textassistenten. Was sich hinter dieser Technologie verbirgt und wie KI zur Optimierung der Logistik beitragen kann, soll im Folgenden näher betrachtet werden.

Grundlagen der Künstlichen Intelligenz

Das Grundprinzip der KI besteht darin, Daten – wie zum Beispiel Bilder, Texte, aber auch Sensormesswerte – zu analysieren und darin selbstständig Muster und Strukturen zu erkennen. Um dies zu erreichen, muss ein KI-Modell zunächst trainiert werden. Dazu werden diesem während des Trainings Daten zugeführt und vom KI-Modell verarbeitet. Die Daten unterteilen sich in Eingabe- und Ausgabedaten. Ziel der KI ist es, anhand der Eingabedaten die entsprechenden Ausgabedaten vorherzusagen. Die Grundlage jeder KI bilden mathematische Modelle, deren interne Parameter während des Trainings so optimiert werden, dass es Zusammenhänge in den Daten möglichst genau erfasst und verallgemeinern kann.

Inwieweit sich KI von klassischen regelbasierten Verfahren unterscheidet, soll anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden. Betrachtet wird ein Karton, in den verschiedene Produkte eingelegt werden sollen. Die Frage ist, zu wie viel Prozent der Karton gefüllt ist, wenn eine beliebige Anzahl von Produkten in den Karton gelegt wird (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Bestimmung des Füllstands für verschiedene Kartons mit unterschiedlichen Produkten

In Beispiel 1 (vgl. Abbildung 1) soll ermittelt werden, zu wie viel Prozent die Schachtel 1 gefüllt ist, wenn sie mit zwei Quadraten und einem Dreieck gefüllt wird. Im zweiten Fall ist die kleinere Schachtel 2 mit einem Kreis und zwei Dreiecken gefüllt. Für eine klassische regelbasierte Füllstandsvorhersage könnte wie folgt vorgegangen werden: Zunächst wird die Größe und damit das Füllvolumen der Kartons bestimmt. Anschließend werden die einzelnen Produkte vermessen, um deren Volumen zu bestimmen. Aus der Summe der Volumina der einzelnen Produkte kann dann der Füllstand eines Kartons ermittelt werden. Die Berechnung des Füllstandes erfolgt nach vorher festgelegten Regeln. Somit steht hier die Modellierung der Regeln, nach denen der Füllstand bestimmt wird, im Fokus.

Im Gegensatz dazu würde die Bestimmung des Füllstandes mit einem KI-Modell mit folgender Vorgehensweise erreicht werden: Für eine Vielzahl von Szenarien werden die Eingabeparameter und die zugehörigen Ausgaben bestimmt. In diesem Fall wären die Eingabeparameter der jeweils verwendete Karton und die darin enthaltenen Produkte. Die zugehörige Ausgabe wäre die Füllmenge. Anhand der Eingaben und der zugehörigen Ausgaben wird ein KI-Modell trainiert. Dabei erlernt das Modell selbstständig die Regeln, anhand derer der Füllstand eines Kartons mit verschiedenen Produkten ermittelt werden kann.

Der entscheidende Vorteil gegenüber klassischen regelbasierten Prognosemodellen besteht darin, dass einer KI keine expliziten Regeln vorgegeben werden müssen. Stattdessen erkennt die KI selbstständig Zusammenhänge in den Daten. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn Zusammenhänge zu komplex sind, um sie in festen Regeln abzubilden, oder wenn sich die Bedingungen häufig ändern. Allerdings geht dieses Vorgehen auch mit einer gewissen Intransparenz einher, da die Grundlage, warum eine Entscheidung von einer KI getroffen wird, für den Menschen oft nicht ersichtlich ist.

KI umfasst ein sehr breites Spektrum an Methoden und lässt sich je nach Aufgabenstellung in verschiedene Kategorien unterscheiden. So werden beim Überwachten Lernen (Supervised Learning) Modelle mit gelabelten Daten trainiert. Das bedeutet, dass jeder Eingabe eine feste Ausgabe zugeordnet ist. Die Aufgabe des KI-Modells besteht nun darin, die Zusammenhänge zwischen dem übergebenen Input und dem zugehörigen Output selbstständig zu erlernen. Handelt es sich bei der ermittelten Ausgabe um eine oder mehrere kontinuierliche Variablen, spricht man von Regressionsaufgaben. Das obige Beispiel der Füllstandsbestimmung ist also ein klassisches Regressionsproblem. Ist es dagegen das Ziel der KI, eine bestimmte Eingabe einer definierten Klasse zuzuordnen, spricht man von Klassifikation.

Im Gegensatz dazu arbeitet das Unüberwachte Lernen (Unsupervised Learning) ohne vordefinierte Ausgaben. Der KI werden also nur die Eingabedaten übergeben und das Modell muss selbstständig Zusammenhänge in den Datenpunkten erkennen. Klassische Methoden sind das Clustering oder die Dimensionsreduktion. Beim Clustering werden Datenpunkte, die einander ähnlich sind, zu Gruppen zusammengefasst. Bei der Dimensionsreduktion versucht die KI, bestimmte Charakteristiken in den Daten zu ermitteln. Clustering wird somit häufig zur Vereinfachung von großen und komplexen Datenmengen verwendet.

Das Deep Reinforcement Learning (DRL, Bestärkendes Lernen) stellt einen KI-Ansatz dar, der sich mit der Optimierung von Strategien beschäftigt. Dabei interagiert ein KI-Agent mit einer Umgebung. Dabei führt der Agent Aktionen aus, die auf dem Zustand der Umgebung basieren. Diese Aktionen werden mit einer Belohnungsfunktion bewertet. Ziel des DRL ist es, dass der Agent Aktionen auswählt, die die erhaltene Belohnung maximieren. Durch die Interaktion mit der Umgebung und den dafür erhaltenen Belohnungen kann der Agent eine optimierte Strategie erlernen.

Einsatzmöglichkeiten von KI in der Logistik

Die Einsatzmöglichkeiten von KI sind sehr vielseitig. Insbesondere die Logistik kann auf unterschiedliche Art und Weise davon profitieren. KI kann zum Beispiel für die Prognose von Prozess- und Auftragsdaten, der Erkennung von spezifischen Logistikkomponenten oder für die Steuerung von Prozessen oder dem Materiafluss verwendet werden.

Die Fähigkeit, aus Bildern relevante Daten zu extrahieren, kann in der Logistik für viele Anwendungsfälle von großem Nutzen sein. Durch Bilderkennung können Prozesse verbessert oder Fehler minimiert werden. Der LOCO-Datensatz (Logistics Objects in Context) [1] ist hierfür ein praktisches Beispiel, durch den es ermöglicht wird, bestimmte Logistikobjekte mithilfe von Kameras zu erkennen. Dieser Datensatz umfasst insgesamt ca. 38.000 Bilder, die in verschiedenen logistischen Umgebungen aufgenommen wurden. In Teilen des Gesamtdatensatzes sind logistikspezifische Objekte wie Paletten, Kisten, Gitterboxen, Gabelstapler und Hubwagen gekennzeichnet (vgl. Abbildung 2). Durch diese Annotation wird gekennzeichnet, wo sich ein spezifisches Objekt auf dem Bild befindet. Mithilfe dieser Datengrundlage lässt sich dann wiederum ein KI-Modell trainieren, welches die verschiedenen Objekte selbstständig erkennt.

Abbildung 2: Beispielbilder aus dem LOCO-Datensatz. Die Logistikobjekte sind durch sogenannte Bounding-Boxes (farbliche Rechteecke, die die jeweiligen relevanten Objekte beinhalten) gekennzeichnet.

Durch die Entwicklung solcher Bilderkennungswerkzeuge kann die Logistik davon profitieren, dass Objekte automatisch erkannt und richtig klassifiziert werden. So können unter anderem fahrerlose Transportsysteme selbstständig Objekte erkennen
und deren Position und Orientierung bestimmen. Dies erleichtert die Navigation sowie die Aufnahmen und den Transport von Waren und kann somit zu einer Verbesserung der Transportaufträge führen.

Darüber hinaus bietet der Einsatz von DRL in der Logistik neue Möglichkeiten, Prozesse wie den Materialfluss zu optimieren. Diese KI-Methode lernt optimierte Strategien durch die Interaktion mit ihrer Umgebung (vgl. Abbildung 3). Dabei führt ein Agent eine Aktion aus, die zu einer Veränderung der Umgebung führt. Die Aktionen des Agenten werden durch eine Belohnungsfunktion bewertet. Dabei werden sinnvolle Aktionen mit einer hohen Belohnung bewertet, während schlechte Aktionen nur mit einer geringen oder negativen Belohnung gewichtet werden. Welche Aktionen als gut oder schlecht bewertet werden, hängt vom Gesamtziel ab, das für die Optimierung des Systems erreicht werden soll. Der Agent versucht seine Strategie so anzupassen, dass er eine möglichst hohe kumulierte Belohnung erhält. Im Falle der Optimierung der Materialflusssteuerung innerhalb eines Warenlagers könnte das globale Ziel z. B. die Minimierung der Gesamttransportzeit der Fahrzeuge sein.

Abbildung 3: Komponenten des Deep Reinforcement Learnings [angelehnt an: Hao Dong, Zihan Ding, & Shanghang Zhang (Hrsg.), Deep Reinforcement Learning: Fundamentals, Research and Applications (Springer, 2020), S.48]

Ein Beispiel für einen praktischen Anwendungsfall könnte die Steuerung eines Gabelstaplers innerhalb eines Logistiklagers sein. Die Umgebung des DRL-Systems umfasst die Lagerhalle, den Gabelstapler und die Waren. Der Agent hat die Aufgabe, optimierte Transportaufträge zu generieren, so dass die Zeit, die der Gabelstapler zur Abarbeitung der Aufträge benötigt, minimiert wird. Um einen solchen Agenten zu trainieren, wird eine Simulation als weitere Komponente benötigt. Diese Simulation bildet alle Abläufe, Materialtransport sowie Randbedingungen ab, wodurch der Agent durch Interaktionen mit dem System in der Lage ist, eine optimierte Strategie zu erlernen. Während des Trainings versucht der Agent seine Strategie für die Transportplanung zu optimieren. Zu Beginn werden die Auftragsdaten für den Gabelstapler überwiegend zufallsbasiert generiert. Erst mit fortlaufendem Training erlernt der Agent anhand der erhaltenen Belohnungen, welche Aktionen langfristig zu einer hohen Belohnung führen und passt dementsprechend seine Strategie an. Durch dieses Vorgehen kann der Agent eine Strategie entwickeln, mit der die Materialflüsse verbessert und somit die Effizienz erhöht wird.

Dass DRL in realen Umgebungen erfolgreich eingesetzt werden kann, zeigen unter anderem verschiedene Roboterhersteller. Durch die Anwendung von DRL können sie die Bewegungsplanung von Robotern so optimieren, dass diese in dynamischen Umgebungen stabile und präzise Bewegungsabläufe durchführen, wodurch diese auf unerwartete Änderungen in ihrer Umgebung effizient reagieren können. Diese Fähigkeit, sich an sich schnell ändernde Bedingungen anzupassen, ist nicht nur in der Robotik von Bedeutung, sondern bietet insbesondere in der Logistik ein großes Potenzial, um Prozesse und Systeme zu optimieren.

Herausforderung und Zukunft von KI in der Logistik

Auch wenn KI gerade für die Logistik ein sehr großes Potenzial bietet, ist die Umsetzung dieser Technologie häufig von großen Herausforderungen geprägt. So ist die Implementierung von KI-Lösungen in der Regel sehr komplex und ressourcenintensiv. Das Training leistungsfähiger KI-Modelle erfordert häufig eine Vielzahl von Rechenschritten. Leistungsfähige Hardwarekomponenten sind daher für viele KI-Projekte unerlässlich, um das Training der KI in praktikablen Zeiträumen zu ermöglichen. Generell sind Daten die wichtigste Komponente für die Realisierung von KI. Sie stellen aber auch häufig das größte Hindernis bei der Durchführung von KI-Projekten dar. Stehen zu wenige Daten zur Verfügung oder sind diese von zu schlechter Qualität, ist die Prognosefähigkeit einer KI stark eingeschränkt. Damit eine KI in der Lage ist, aus Daten sinnvolle Zusammenhänge zu lernen und damit eine Optimierung zu ermöglichen, müssen genügend Daten in ausreichender Qualität vorhanden sein. Die Erfassung und Vorverarbeitung von Daten stellt daher einen der wichtigsten Entwicklungsschritte bei der Umsetzung von KI dar.

Auch wenn die Implementierung von KI derzeit noch mit Herausforderungen verbunden ist, bietet der Einsatz dieser Technologie einen entscheidenden Mehrwert, um die Logistik effizienter und sicherer zu gestalten. Darüber hinaus kann KI in dynamischen Situationen dazu beitragen, sinnvolle Lösungen zu generieren. Viele KI-Modelle sind zudem als Open-Source-Lösungen frei verfügbar und können individuell an die eigenen Prozesse angepasst werden. Dies verbessert nicht nur die Integrationsfähigkeit von KI für Unternehmen, sondern stärkt auch die Innovationskraft, da bestehende Modelle weiterentwickelt und optimiert werden können. Mit der fortschreitenden Entwicklung von KI-Technologien und der zunehmenden Verfügbarkeit leistungsfähiger Hardware ist die Logistik ein Bereich, der von den KI-Entwicklungen profitieren wird und dadurch auch effizienter und vielseitiger werden kann.

[1] C. Mayershofer, D. -M. Holm, B. Molter and J. Fottner, „LOCO: Logistics Objects in Context,“ 2020 19th IEEE International Conference on Machine Learning and Applications (ICMLA), Miami, FL, USA, 2020, pp. 612-617, doi: 10.1109/ICMLA51294.2020.00102

Digitalisierung und Automatisierung schreiten in Deutschland mit großen Schritten voran. Kleine und mittlere Unternehmen laufen Gefahr, in diesem Transformationsprozess abgehängt zu werden. Gründe dafür sind unter anderem die fehlenden Kapazitäten in den Bereichen der Maschinenvernetzung und Datenverarbeitung.

Künstliche Intelligenz (KI) hilft, das gesamte Potenzial einer digitalen und automatisierten Produktion hinsichtlich Effizienz ausnutzen zu können. Komplexe Zusammenhänge können so untersucht und interpretiert werden. Passende Daten sind dafür das Fundament – im Webinar zeigt Ihnen unsere Expertin Saskia Hutschenreiter vom Fraunhofer IGCV, wie Sie diese entsprechend vorverarbeiten und auf deren Plausibilität hin untersuchen müssen.

Inhalte des Webinars

  • Allgemeines Vorgehen für den Einsatz von maschinellen Lernverfahren (schwache KI)
  • Anwendungsfall von maschinellen Lernverfahren aus dem Bereich der Fleischherstellung (Mischer für die Wurstherstellung)

Zielgruppe

Das Webinar richtet sich an:

  • Produktionsleiter:innen, Monteur:innen, Meister:innen
  • Personen aus den Bereichen IT, HR oder Arbeitsvorbereitung
  • Personen aus den Branchen Maschinenbau, Automobilbau, Luftfahrt, etc.

Melden Sie sich jetzt für das kostenfreie Webinar an! Die Zugangsdaten senden wir Ihnen vorher rechtzeitig per E-Mail zu.

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Automatisiertes Maschinelles Lernen (AutoML) beschreibt den Prozess der Automatisierung von zeitaufwändigen, iterativen Aufgaben bei der Entwicklung einer Machine Learning Pipeline. AutoML beschleunigt und vereinfacht nicht nur den Machine Learning Workflow, sondern ermöglicht auch Nutzer:innen ohne spezifische ML-Kenntnisse einen Zugang zum Maschinellen Lernen.

In diesem Webinar zeigt Ihnen Christopher Sobel vom Fraunhofer IIS anhand konkreter Beispiele wie auch Sie mithilfe von AutoML Proofs of Concept schnell und ohne explizites Expertenwissen durchführen können.​ Außerdem werfen Sie gemeinsam einen Blick auf sein selbst entwickeltes KI-Tutorial zum Thema AutoML.

Inhalte des Webinars

  • Aufbau einer Machine Learning Pipeline
  • AutoML Frameworks und ihre Funktionsweise
  • Praxisbeispiele und Anwendungsszenarien

Zielgruppe

Das Webinar richtet sich an Geschäftsführende, Unternehmer:innen, Projektleitende und Interessierte aus kleinen und mittleren Unternehmen, die sich für Maschinellen Lernens mittels AutoML interessieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Die Zugangsdaten werden Ihnen rechtzeitig von uns per E-Mail zugesendet. Melden Sie sich jetzt kostenfrei an!​

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Im Alltagsgebrauch wird „Optimierung“ meist mit „etwas besser machen“ gleichgesetzt. Mathematische Optimierung meint hingegen „das nachweisbar Beste machen“. Maßgeschneiderte Optimierungsalgorithmen ermöglichen es für individuelle Problemstellungen die optimale Lösung zu finden, um Ressourcen effizient einzusetzen und die Nachhaltigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu stärken. Die Anwendungen solcher Optimierungsalgorithmen sind vielfältig und reichen von Planungsprozessen aus der Produktion bis hin zur Entscheidungsunterstützung in der Logistik.​

Lernen Sie im Webinar von unseren Expert:innen Martina Kuchlbauer und Christopher Scholl vom Fraunhofer IIS die Grundlagen mathematischer Optimierung und unterschiedliche Anwendungskontexte in der Praxis kennen. ​

Außerdem bekommen Sie einen Einblick in unser selbst entwickeltes Online-Spiel „Planning Puzzle“, bei dem Sie Planungsaufgaben lösen können und das Ihnen verdeutlicht, warum es sich lohnt Künstliche Intelligenz und mathematische Optimierung zu nutzen.
Zum Online-Spiel

Inhalte​ des Webinars

  • Kurze Begriffsklärung „Optimierung“ und „Nachhaltigkeit“
  • Anwendungskontexte für Optimierungsalgorithmen (u. a. Touren- / Produktions- / Personaleinsatzplanung)
  • Umsetzung in der Praxis und Mehrwert von Optimierungsalgorithmen 

Zielgruppe

  • Planungsfachkräfte für die Bereiche Logistik, Produktion, Einkauf oder Vertrieb
  • Verantwortliche aus den Bereichen Strategie, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Entwicklung
  • Datenexpert:innen und IT-Fachkräfte
  • Personen mit einem Interesse an der Optimierung von Entscheidungen

Ergänzend zum Webinar bietet das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg den Onlinekurs „Gut, besser, KI? Wie Optimierungsalgorithmen für mehr Nachhaltigkeit sorgen“ an. Lernen Sie, was man unter den Begriffen „Nachhaltigkeit“ und „Optimierung“ versteht und wie Optimierungsmodelle aufgebaut sind. Zum Onlinekurs

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Die Colonia Leather GmbH & Co. KG mit fünf Mitarbeitenden aus Kassel fertigt eine breite Palette an Echtlederprodukten: von Sitzsäcken über Tischsets oder Tapeten bis hin zu Rucksäcken. Das Hauptgeschäft umfasst allerdings die Aufbereitung verschiedener Ledersorten für B2B-Kunden, vor allem aus dem Mode- oder Möbelbereich. Bei den kundenindividuellen Zuschnitten fallen Reststücke an, die anschließend häufig verschenkt oder entsorgt werden. Das möchte das Unternehmen ändern und hat dafür das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg um Unterstützung gebeten.

Die anfallenden Lederreste liegen in unterschiedlichen Größen, Sorten, Qualitätsstufen oder Verarbeitungsarten (z. B. gegerbt oder gefärbt) vor. Aktuell werden diese, wenn möglich, weiterverwendet, aber zum großen Teil verschenkt – selten auch weiterverkauft –, entsorgt oder geschreddert und zu Kunststoffplatten gepresst. Letzteres ist allerdings recht aufwandsintensiv und dadurch wenig lukrativ. Leder kann außerdem in mehrere Schichten gespalten und dann unterschiedlich weiterverwendet werden, z. B. als Verloursleder, umgangssprachlich auch als Wildleder bezeichnet. Zum Großteil werden aber auch hier einige der Schichten schließlich entsorgt. Geschäftsführer Jean-Thomas Keil sieht Potenzial in den Lederresten und möchte diese zu neuen Produkten verarbeiten, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern vor allem im Sinne der Nachhaltigkeit. Dafür hat er sich für eine Potenzialanalyse an das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg gewandt.

Lederreste nach Verarbeitung
Zentrumsmitarbeiter Christian Looschen beim Spalten von Leder

In Online-Workshops und einem Vor-Ort-Besuch in Kassel diskutierte das Projektteam, bestehend aus Herrn Keil und den Mittelstand-Digital Expert:innen Christian Looschen und Maria Maier von der Technischen Universität München, folgende Fragen: Wie kann so ein nachhaltiges Remanufacturing-Produkt aussehen? Wie wird das Produkt konkret hergestellt? Wie nachhaltig ist diese Form der Aufbereitung wirklich? Dazu musste sich das externe Team zunächst ein Produktverständnis schaffen, also welche Sorten und Formen von aufbereitetem Leder (geschnitten, gespalten, geprägt etc.) es gibt und welche Produktionsschritte für das Vorhaben interessant sein könnten. Zum Beispiel lassen sich Stücke zu einem Patchwork-Material zusammenkleben, ohne dass Nähte oder Fügestellen sichtbar sind.

Die Lösung: KI-gestütztes, automatisiertes Prüfen, Legen und Fügen von Lederresten

Als Ergebnis der Potenzialanalyse wurde ein Prozessentwurf entwickelt, wie Lederreste künftig analysiert und automatisiert platziert sowie schließlich aneinandergefügt werden können, um so neue Lederstücke für die Weiterverarbeitung zu schaffen. Ein solches Produkt könnte unter Umständen als „nachhaltig aus Restmaterial produziert“ gekennzeichnet werden und damit auch ein für Endkund:innen attraktives Kaufargument liefern. Letztendlich könnten so nicht nur eigene Schnittreste weiterverarbeitet werden, sondern beispielsweise auch von lederverarbeitenden Kunden günstig abgekauft und wiederaufbereitet werden und damit ein weiteres Geschäftsmodell etabliert werden.

Was sich so einfach zusammenfassen lässt, ist allerdings derzeit ein technisch und organisatorisch hochkomplexes Verfahren. Insbesondere die Analyse sowie das Platzieren sind zum aktuellen technischen Stand größere Herausforderungen. Mittels Leichtbauroboter, Kamera und einer KI-Lösung (z. B. einem Bilderkennungsalgorithmus) müssten zunächst die Zuschnitte flach platziert und dann klassifiziert werden – nicht nur hinsichtlich ihrer Maße, sondern auch nach Sorte, Qualität, Dicke und Festigkeit, Aufbereitungsart, Farbe oder Schicht. Zusätzlich müsste ein digitaler Abgleich mit einer vorgegebenen und im System eingelernten Produktpalette (spezielle Form und Größe für spezielle Kundenprodukte) erfolgen, um herauszufinden, welche Teile überhaupt zu welchem Produkt gefügt werden können. Auch das automatisierte Platzieren der Teile ist bei unterschiedlichen Festigkeiten und Formen nicht ganz einfach. Und schließlich müssten die zueinanderpassenden Teile exakt nebeneinander platziert und bzw. mittels Klebevorrichtung aneinandergefügt sowie ggf. noch zugeschnitten werden.

Es besteht auch die Möglichkeit beispielsweise nur das Analysieren und Vorgeben von Mustern von einer digitalen Lösung erledigen zu lassen und die restlichen Arbeitsschritte wie Platzieren und Fügen weiter analog durchzuführen. Hier stellt sich dann langfristig allerdings die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Wie lässt sich das realisieren?

Weil die Entwicklung einer solchen automatisierten Lösung für ein Kleinunternehmen nur schwer zu stemmen ist, empfehlen die Mittelstand-Digital Expert:innen, sich hier um ein öffentlich gefördertes Projekt zu bewerben und gemeinsam mit anderen Lederverarbeitern voranzutreiben. Herr Keil verfügt aufgrund seiner langjährigen Branchenkenntnis über ein großes Netzwerk und hat bereits ein Partner-Unternehmen mit an Board. Aktuell ist er auf der Suche nach weiteren interessierten Projektpartnern. Geplant ist, dass das Projekt künftig von der Technischen Universität München weiterbegleitet wird – auch was die Nachhaltigkeitsbewertung angeht. Bislang drehen sich Lebenszyklusanalysen von Produkten (Life Cycle Assessment) eher um die Vermeidung von Ausschuss, als um dessen Weiterverarbeitung. Weitere offene Fragen sind die konkrete Gestaltung einer Rückführungslogistik, eine Analyse von Marktgröße und erzielbaren Preisen sowie der Amortisation der nötigen Investition.

Im Zuge einer wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeitskennzahlen liegt in diesem Anwendungsfall jedoch auf jeden Fall großes Potenzial. Zudem könnte auch die Anwendung selbst ein Produkt von hoher Nachfrage sein, wenn es um die Wiederverwertung von Restmaterialien geht, die bisher auf dem Müll landen. Wichtig ist dabei unbedingt, „Greenwashing“ zu vermeiden, sondern vielmehr echten Nutzen zu schaffen.

In diesem Webinar vermittelt Ihnen Korbinian Zöls vom Lehrstuhl fml der Technischen Universität München einen Überblick über die Potenziale von Künstlicher Intelligenz bei der Bildverarbeitung, insbesondere für Anwendungen in Intralogistiksystemen.

Dazu wird Ihnen ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise sowie die Einsatzmöglichkeiten von KI-basierter Bildverarbeitung, beispielsweise zur Erkennung von Kleinladungsträgern und Paletten, vermittelt. Es werden zudem verschiedene bestehende KI-Werkzeuge vorgestellt und auf die typischen Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Systeme eingegangen.

Inhalte des Webinars​

  • Grundlagen der Bildverarbeitung mit Künstlicher Intelligenz
  • Aufzeigen von Potenzialen und Herausforderungen bei der Umsetzung von KI-basierter Bildverarbeitung
  • Vorstellung bestehender KI-Tools zur Bildverarbeitung

Zielgruppe​

Die Veranstaltung richtet sich an Interessierte aus kleinen und mittleren Unternehmen, die mehr zum Thema Bildverarbeitung mittels KI lernen möchten.Für das Webinar werden keine Vorkenntnisse benötigt.

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Das Engineering von KI-Systemen erfordert das Managen vieler integraler Artefakte beispielsweise Eingaben wie Datensätze, Konfigurationen wie Hyperparameter und Ausgaben wie Trainingsergebnisse. Häufig ist jedoch das methodische Vorgehen für ein solches Management in der Praxis unklar.

Im Webinar gibt Ihnen Alexandros Tsakpinis von der fortiss GmbH eine Einführung in KI-Engineering – weg von der prototypischen Umgebung innerhalb eines Jupyter Notebooks – und zeigt wie die genannten Bestandteile von KI-Systemen systematisch versioniert und konfiguriert werden können. ​

Innerhalb kurzer Theorieeinheiten können die Teilnehmenden Methoden zur standardisierten Projektstruktur, Datenversionierung und Experiment Tracking kennenlernen. Zudem gibt es die Möglichkeit aufkommende Fragen und reale Probleme aus Ihren Unternehmen zu diskutieren.​​

Inhalte​ des Webinars

  • Vergleich zwischen der Entwicklung eines KI-Prototyps in Jupyter Notebook und einer standardisierten Projektstruktur
  • Methoden für Datenversionierung und Experiment Tracking

Zielgruppe​

Das Webinar richtet sich an technische Mitarbeitende (z. B. Data Scientist, ML Engineer, Software Engineer, Produktmanager)​.

Die Zugangsdaten werden Ihnen rechtzeitig per E-Mail zugesendet. Melden Sie sich jetzt kostenfrei an!​

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Sie möchten Ihre Lagerbestände verringern und trotzdem hohe Verfügbarkeiten erreichen? Diese Mehrzieloptimierung bedeutet bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hohe händische Aufwände. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile der Einsatz von KI-Methoden bei der teilautomatisierten Bestandsplanung im Großhandel bringt.

Die optimale Steuerung von Lagerbeständen ist aufgrund komplexer Einflussfaktoren eine zentrale Herausforderung der gesamten Supply-Chain. Der Großhandel spielt dabei eine zentrale Rolle, indem er als Zwischenhändler zwischen Herstellern und Endverbrauchern als Puffer agiert. Viele mittelständische Großhändler zeichnen sich hier durch ihre Flexibilität, spezialisiertes Fachwissen und Kundennähe aus. Sie tragen wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität und Innovationskraft bei.

Hohe Aufwände für exakte Planung

Für viele mittelständische Großhändler stellt das Bestandsmanagement einen der Grundpfeiler für deren Wettbewerbsfähigkeit dar. Es hat den Zweck, Ware und Materialien in der optimalen Menge zum richtigen Zeitpunkt zu bestellen und am richtigen Ort für den Bedarfsfall bereitzustellen. Durch die zeitliche und mengenmäßige Differenz von eingehenden und ausgehenden Materialflüssen eines Lagers erfüllt es eine Pufferfunktion. Die Entscheidung, welche Menge eines Artikels zu welchem Zeitpunkt (nach-)bestellt werden soll, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab: Einkaufskonditionen und verfügbare Lagerkapazitäten müssen hier ebenso berücksichtigt werden, wie die prognostizierte Nachfrage und Wiederbeschaffungszeiten sowie gewünschte Warenverfügbarkeit (Servicelevel). Die zuverlässige und genaue Prognose der Nachfrage ist dabei noch eine Herausforderung für sich.

Die Aufwände zur Erstellung und Überprüfung der Prognosen sind bei einer wöchentlichen oder monatlichen Erstellung und einer fünf- bis sechsstelligen Artikelanzahl manuell nur mit hohem Personaleinsatz zu bewältigen. Immer wieder kommt es zu individuellen Schwankungen unter den Planungsmitarbeitenden, da persönliche Einschätzungen und Ziele bei der manuellen Planung starke Einflüsse haben können.

Zudem fällt es auch erfahrenem Fachpersonal schwer, die Schwankungen in den Bedarfen richtig einzuschätzen und alle Einflussfaktoren wie Einkaufskonditionen, angestrebte Kapitalbindung und Lagerkapazität einzubeziehen. Die Folge sind zu hohe Sicherheitsbestände und damit hohe Kosten: Neben Lagerraum-, Personalkosten sowie den Opportunitätskosten des gebundenen Kapitals (Working Capital) birgt ein hoher Sicherheitsbestand zusätzlich Risiken durch Wertveränderungen oder ausbleibende Nachfrage.

Systemische Unterstützung liefern dabei Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systeme und erweiterte Dashboards. Bei vielen mittelständischen Großhändlern kommen hier Eigenentwicklungen oder angepasste ERP-Systeme zum Einsatz, da die jeweiligen Anforderungen sehr spezifisch sind. Da die meisten ERP-Systeme oftmals eine einfache Punktprognose, also einen einzelnen Prognosewert, des zukünftigen Bedarfes pro Artikel ausgeben, werden Unsicherheiten in der Nachfrage sowie vorhandene zusätzliche Daten vernachlässigt.

KI-basierte Prognosemethoden

Neue KI-Ansätze können die Bestandsplanung im Großhandel erheblich verbessern. Durch den Einsatz von KI lassen sich große Datenmengen analysieren und präzise Vorhersagen treffen, die menschliche Fachkräfte allein nicht bewältigen könnten. Beispielsweise können sie saisonale Schwankungen, Promotionen und Produkthierarchien berücksichtigen und die Bestandsplanung dynamisch anpassen. Diese Technologien ermöglichen es, Trends und Muster im Kaufverhalten frühzeitig zu erkennen und die Lagerbestände entsprechend anzupassen.

Bisher kommen in den meisten Fällen simple Prognosemethoden zum Einsatz, wie exponentielle Glättung oder ARIMA (Autoregressive Integrated Moving Average). Diese setzen jedoch oft lineare Beziehungen voraus, während elaboriertere KI-Methoden auch nichtlineare Muster erkennen können und besser mit einer größeren Anzahl von Merkmalen und Variablen umgehen können. In vielen Anwendungsfällen bieten einfache Methoden keine ausreichend hohe Genauigkeit, insbesondere bei komplexen Datensätzen. Außerdem gibt nicht ein einzelnes Modell die beste Prognose für alle betrachteten Artikel aus. Vielmehr muss für jeden Artikel bzw. für jeden Absatzkurven-Typ ein passendes Modell verwendet werden.

Prognosen sind immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden (engl. forecast uncertainty). In der Praxis kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Punktprognose genau zutrifft. Häufig wird ein zusätzlicher Sicherheitsbestand eingeplant, um Nachfragen, die über dem Prognosewert liegen, bedienen zu können. Die richtige Bestimmung dieses Sicherheitsbestands sollte dabei auf einer datengetriebenen Einschätzung der Prognoseunsicherheit und damit des Out-of-Stock-Risikos beruhen, was in der Praxis selten der Fall ist.

Auch um ein angestrebtes Servicelevel zu erreichen, ist eine korrekte Abschätzung der Prognoseunsicherheit unerlässlich. Neueste Prognosemethoden geben nicht nur ein, sondern hunderte Szenarien für die zukünftige Nachfrage aus. Anstatt nun z. B. einen Mittelwert all dieser möglichen Szenarien auszugeben und diesen als gegeben anzunehmen, kann die Streuung all dieser Szenarien als Prognoseunsicherheit interpretiert werden. Je nach Strategie kann sich nun gegen alle möglichen Zukunftsszenarien abgesichert oder ein bestimmtes Servicelevel erreicht werden, in dem z. B. 90 % aller Szenarien bedient werden sollen.

Kombination von Prognosen und mathematischer Optimierung

Die präzisen KI-basierten Prognosen allein können eine große Entscheidungsunterstützung bieten. Um allerdings ein höheres Automatisierungslevel und somit geringen manuellen Aufwand zu erreichen, nutzt man am besten die Kombination aus Prognosen und mathematischer Optimierung.

Dabei fließen die oben beschriebenen Prognosen in ein Optimierungsmodell ein, welches die optimalen Bestellmengen und -zeitpunkte für alle Artikel auf Basis der vorhandenen Daten bestimmt. Mathematisch optimal ist die Bestellstrategie dann, wenn die vordefinierte Zielsetzung bestmöglich erfüllt wird. Die Zieldefinition umfasst beispielsweise die Höchsteinkaufspreise oder Mindestverfügbarkeitsanforderungen. Um dieses Ziel vollumfänglich abzudecken, müssen eine Vielzahl an Faktoren und Daten berücksichtigt werden. Neben den Prognosen spielen für die Deckung der Nachfrage unter anderem ausstehende Bestellungen, Lagerbestände, Wiederbeschaffungszeiten sowie Sicherheitsbestände eine entscheidende Rolle. Die genauen Losgrößen werden im Wesentlichen durch die Einkaufsbedingungen, Lagerkapazitäten und die Kapitalbindungskosten bestimmt.

Durch die Erweiterung des Modells zu einem stochastischen Optimierungsmodell können auch Unsicherheiten in der Bedarfsprognose, also unterschiedliche Szenarien der zukünftigen Artikelnachfrage, berücksichtigt werden. Dadurch ist der ermittelte Bestellvorschlag nicht nur auf einen Einzelfall ausgerichtet, sondern zielt darauf ab, im Mittel über alle möglichen Realisierungen eine gute Entscheidung zu treffen und ist so gegenüber Unsicherheiten abgesichert.

Solche kombinierten Prognose-Optimierungsmodelle generieren automatisiert innerhalb weniger Sekunden einen Bestellvorschlag für die Disponent:innen, der die messbaren Praxisanforderungen optimal erfüllt. Das stellt eine erhebliche Unterstützung für den Arbeitsalltag in der Disposition und im Einkauf dar. In einer theoretischen Evaluation der KI-Bestellstrategie im Vergleich zur Bestellung nach Bedarf konnten durch die Automatisierung 20 % – 30 % der Arbeitszeit in der Disposition eingespart werden. Zeitgleich konnten die Einkaufskosten, welche durch die Aufwände bei der Disposition und vor allem beim Transport entstehen, um bis zu 3 % gesenkt werden. Außerdem ergab sich in den theoretischen Evaluationen ein einmaliges Einsparpotenzial von 10 % – 30 % der durchschnittlichen Bestandskosten je Artikel. Die hohe Varianz des Einsparungspotenzial liegts an den unterschiedlich fortschrittlichen Planungsprozessen in den untersuchten Großhändlern.

Einbettung von KI-Verfahren in eigene Systeme

In Echtzeitanwendungen wie der Bestandsplanung ist die Anbindung an das unternehmenseigene ERP-System sowie an zusätzliche Datenquellen unverzichtbar. Diese Integration lässt sich zum Beispiel effizient durch den Einsatz von Mikroservice-Architekturen realisieren. Die Software kann damit sowohl beim Großhändler lokal (on-premise) als auch in der Cloud gehostet werden. Durch die Kapselung (Containerisierung) können einzelne Services wie „Datenanbindung“ oder „KI-Modell-Training“ unkompliziert und individuell aktualisiert, modular ausgetauscht und hinsichtlich der Rechenleistung ressourcenschonend skaliert werden.

Für KMU ist es meist nicht möglich, eine eigene KI-Abteilung aufzubauen. Deshalb empfiehlt es sich hier mit Organisationen zusammenzuarbeiten, welche Expertise in KI und vor allem Machine Learning Operations (MLOps) vorweisen können. Durch MLOps lassen sich Wartung und Instandhaltung der KI-Anwendung automatisieren, z. B. durch ereignisgesteuertes Re-Training. Dadurch wird langfristig ein wichtiges Ziel erreicht: Den Betrieb solcher Lösungen in Zeiten des KI-Fachkräftemangels sicherzustellen.

Für die bessere Akzeptanz für die KI-Lösungen ist vor allem in der Einführungsphase eine teilautomatisierte Lösung zu empfehlen, bei der die Fachkräfte die KI-Vorschläge prüfen und freigeben. Teilautomatisierte KI-Lösungen beziehen sich auf Systeme, die einige Aufgaben oder Prozesse mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) automatisieren, während andere Aufgaben weiterhin menschliches Eingreifen erfordern. Diese Art von Lösungen kombiniert die Effizienz und Präzision von KI mit der Flexibilität und dem Urteilsvermögen menschlicher Expertise. Bei der Vielzahl an Artikeln im Großhandel kann ein KI-basiertes Bestandsplanungstool anzeigen, bei welchen Artikeln eine größere Unsicherheit herrscht und diese dem Fachpersonal explizit zur Prüfung vorlegen.

Fazit – Schritt für Schritt zum Einsatz

Der Einsatz von KI in der Bestandsplanung bietet KMU zahlreiche Vorteile. Er steigert die Effizienz durch Automatisierung und Optimierung von Prozessen, ermöglicht genauere Bedarfsprognosen und eine bessere Lagerverwaltung. Zudem erlaubt die KI die Auswertung großer Datenmengen in Echtzeit, was zu schnelleren und fundierteren Entscheidungen führt, und hilft, Risiken wie Bestandsengpässe und Überbestände zu minimieren. Ein weiterer Vorteil ist die Skalierbarkeit der KI-Systeme, die an veränderte Geschäftsanforderungen angepasst werden können, ohne signifikant zusätzliche Ressourcen zu benötigen.

Dennoch gibt es auch einige Nachteile. Die Implementierung von KI-Lösungen kann kostspielig sein, insbesondere in der Anfangsphase, und die Integration in bestehende Systeme gestaltet sich oft komplex und zeitaufwendig. Die Leistungsfähigkeit der KI hängt stark von der Qualität und Quantität der verfügbaren Daten ab und es kann schwierig sein, qualifizierte Fachkräfte zur Entwicklung und Wartung der Systeme zu finden. Zudem erfordern KI-Systeme regelmäßige Wartung und Aktualisierung, um ihre Effektivität zu bewahren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einsatz von KI in der Bestandsplanung für KMU sowohl erhebliche Vorteile als auch einige Herausforderungen mit sich bringt. Trotz dieser Herausforderungen überwiegen die Vorteile, insbesondere durch die langfristige Zeit- und Kosteneinsparung. Unternehmen sollten daher sorgfältig abwägen und gegebenenfalls schrittweise vorgehen, um die Potenziale der KI bestmöglich zu nutzen.