Was in der Industrie längst Standard ist, wird für die Hotellerie und Gastronomie gerade erst entdeckt: Automatisierung. Die Expert:innen des Mittelstand-Digital Zentrums Augsburg führten das Ansbacher Hotel „Das Hürner“ damit auf neue Wege, um dem anhaltenden Personalmangel zu begegnen, die ergonomische Situation der Mitarbeitenden zu verbessern und die Kapazitäten des Personals in dem Bereich einzusetzen, in dem sie unschlagbar sind: im Service und Umgang mit Gästen.

Das Hotel „Das Hürner“ in Ansbach hat wie so viele Unternehmen im Gastro-, Service- und Dienstleistungsbereich mit Personalmangel zu kämpfen. Im Housekeeping ist die körperliche Belastung unter hohem zeitlichen Druck zwischen Check-out und Check-in der Gäste sehr herausfordernd. Die Wägen mit hauswirtschaftlichen Materialien wie Wäsche und Reinigungsmitteln sind sehr schwer und müssen aufwändig von Zimmer zu Zimmer manövriert werden – eine wenig ergonomische und wertschöpfende Tätigkeit. Zudem wird viel Zeit aufgewendet, um die Zimmer und Flure zu saugen sowie nass zu wischen.

Auch im Tagungsgeschäft gibt es einige mühevolle Aufgaben zu bewältigen: Da der große Multifunktionsraum morgens für das Frühstück und danach für Tagungen und Veranstaltungen zum Teil bis zum späten Abend genutzt wird, müssen die Bestuhlung und schwere Tische öfter am Tag umgestellt werden. Teilweise ist das auch spätnachts und unter hohem Zeitdruck erforderlich. Dazwischen muss zudem die Reinigung der Räume erfolgen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, führten die Mittelstand-Digital Expert:innen Klaus Fink und Shuang Lu vom Fraunhofer IGCV mit Hotel-Geschäftsführer Jens Blank und dessen Team eine Potenzialanalyse durch, in der verschiedene Lösungsansätze erarbeitet wurden. Begleitet wurde das Projekt außerdem von Rüdiger Busch vom Digitalen Gründerzentrum ANsWERK, der den Kontakt zum Zentrum herstellte.

Das Projektteam im Hoteleingang (v. l.): Shuang Lu und Klaus Fink vom Fraunhofer IGCV, Rüdiger Busch von ANsWERK, Jens Blank und Maria Arsentjew vom Hotel DAS HÜRNER.

Mobile Roboter für unterschiedliche Szenarien

Im Housekeeping können mobile Roboter eingesetzt werden, so wie das in der Industrie bereits häufig zum Transport von Bauteilen und Produkten geschieht. Diese könnten die Mitarbeitenden bei schweren Schiebe- und Zug-Tätigkeiten der Wäsche- und Zimmerservice-Wägen auf den Wegen zwischen den Zimmern unterstützen oder beispielsweise Saug- und Wischtätigkeiten übernehmen. Dafür wird im Roboter ein Grundriss mit den Zimmern eingespeichert. Durch Lasertechnik kann sich das System anhand von natürlichen Markern wie Wänden orientieren und sowohl Menschen als auch ungewohnten Gegenständen wie Koffern und Tischen ausweichen.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit für mobile Roboter ist das Transportieren und Aufstellen der Tische und Stühle in den Tagungsräumen. Mit den passenden Aufbauten könnten diese hochgehoben und gemäß verschiedener Raumnutzungspläne platziert werden. Auch Reinigungs-Roboter finden hier wieder eine Verwendung. Dabei spielen Größe und Wendigkeit eine Rolle, damit diese auch um Stuhlbeine und unter Tischen gut manövrieren können.

Auswahl vielversprechender Marktlösungen

Nachdem erste Use Cases identifiziert wurden, ging es an die Recherche von Marktlösungen und deren Bewertung hinsichtlich Kosten und Nutzen für das Hotel Hürner. Beispielsweise der Multifunktionsraum, in dem Tagungen, Hochzeiten oder Firmenevents stattfinden, wird ca. 250 mal pro Jahr umgeräumt. Dabei werden erst alle Möbel in einem Bereich abgestellt, um den Großteil des Raumes zu reinigen. Danach werden die Möbel gemäß Bestuhlungsplan neu platziert und der Rest des Raumes geputzt.

Der Multifunktionsraum wird etwa 250 Mal pro Jahr umgestellt. Dafür werden alle Tische und Stühle in den Bereich 1 gebracht, der Boden gesäubert und der Raum neu eingerichtet. Die Personenstunden summieren sich dadurch.

Zur Unterstützung der Mitarbeitenden im Tagungsgeschäft kämen beispielsweise mobile Robotersysteme in Frage, die um Hebeeinheiten ergänzt werden (s. Grafik). Da ein solches Konzept bisher allerdings nicht auf dem Markt verfügbar ist, wurde im nächsten Schritt das Thema Reinigung fokussiert.

Eine Hebevorrichtung, die auf einer mobilen Robotereinheit integriert wird, könnte schwere Tische gemäß Raumnutzungsplan neu platzieren.

Für die Reinigung existieren bereits verschiedene Systeme, die für den Großeinsatz im Gastronomie- und Event-Gewerbe gestaltet wurden und in ihren Grundfunktionen den aus dem Privaten bekannten Saugrobotern ähneln. Als Anforderungen für die Auswahl passender Systeme wurde beispielsweise aufgenommen, dass die Roboter Teppiche, Fließen und Parkett in den Zimmern, Fluren und Tagungsräumen, aber auch stärker beanspruchte Böden in der zugehörigen Brauerei und im überdachten Außenbereich zwischen Parkplätzen und Hotellobby reinigen sollen. Außerdem werden sowohl schnellere Systeme für große Flächen als auch kleine, wendige Roboter für enge Bereiche unter den Stühlen und Tischen benötigt.

Auch wenn nicht jede Roboter-Lösung gleich schnell wie die Mitarbeitenden arbeitet, wird dennoch Zeit frei für andere Tätigkeiten – beispielsweise für die parallele Zimmerreinigung oder Platzierung von Tischen, oder natürlich für den Service und direkten Austausch mit den Kund:innen.

Erste Schritte Richtung Teil-Automatisierung

Die genannten Anforderungen wurden in Workshops mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg erfasst und als Basis für eine Anbietervorauswahl genutzt. Im nächsten Schritt wird das Hotel Hürner gegen geringe Kosten verschiedene Systeme testen, um die Erfüllung der Anforderungen und Mehrwerte sicherzustellen, bevor es in die Beschaffung geht.

Geschäftsführer Jens Blank fühlt sich bereit: „Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg hat uns im Hotel mit technologischem Wissen und Professionalität erfolgreich Richtung Automatisierung begleitet und wir sind für die Zukunft gut gerüstet.“ Die Mitarbeitenden freuen sich auf die Unterstützung durch die Systeme, gerade in Zeiten eines starken Personalmangels. Vor allem der persönliche Kontakt soll aufrechterhalten werden, denn nach wie vor stehen die Gäste und ein herzlicher Service an erster Stelle.

Haben Sie schon eine Idee, was Sie bei sich im Betrieb digitalisieren möchten? Bewerben Sie sich jetzt für eine kostenfreie Potenzialanalyse mit uns!

Weitere Infos finden Sie hier

Das Unternehmen GP JOULE bietet ganzheitlich regenerative Energielösungen und erarbeitet aktuell digitale Lösungen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette, um zum Aufbau einer nachhaltigen H2-Wirtschaft beizutragen. In einer Potenzialanalyse stellte sich die Frage, ob und wie sich die Produktion von Wasserstoff (H2) mithilfe von digitalen Lösungen angepasst an Kundenbedarfe optimieren lässt.

Das 2009 gegründete Unternehmen GP JOULE aus Reußenköge in Schleswig-Holstein ist ein ganzheitlicher Anbieter für regenerative Energieerzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse mit langjährigen Erfahrungen auf der Versorgungsebene für Mobilität, Wärme und Industrie. In mehreren Geschäftseinheiten bietet das Unternehmen teilweise oder komplette Energielösungen an und unterstützt in allen Projektphasen von der ersten Idee bis zur Realisierung und auch bei der Betriebsführung danach.

Ein immer wichtigerer Teil der Wertschöpfung von GP JOULE nimmt dabei die Speicherung von erzeugter regenerativer Energie in Form von Wasserstoff und dessen Vermarktung für unterschiedliche Versorger ein. Um ihren Kunden beim Markthochlauf von Wasserstoff auch zukünftig ein wertvoller Partner zu sein, werden bereits heute zukunftsweisende digitale Lösungen für eine professionelle Betriebsführung der Anlagen entwickelt.

Potenziale von digitalen Lösungen in einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft

In einer Potenzialanalyse mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg wurden verschiedene Anwendungsfälle von digitalen Lösungen entlang der Wertschöpfungskette einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft erarbeitet und deren Potenzial abgeschätzt.

Wertschöpfungssystem für die nachhaltige Wasserstoffwirtschaft

In fünf Online-Workshops arbeiteten Führungskräfte, Produktmanager und Betriebsführer von GP JOULE mit den Mittelstand 4.0-Experten PD Dr. Tassilo Schuster, Dr. Henning Frechen und Simon Klose (Fraunhofer IIS) an dieser Fragestellung. Das Projektteam nutzte dazu Methoden wie Value Proposition Models, Ecosystem Pie Models, Data Canvas, Kosten-Nutzen-Analysen und Marginal Cost Analysis, um die Anforderungen von GP JOULE und deren Kunden zu definieren und die Mehrwerte bei Umsetzung der Anwendungsfälle zu evaluieren.

Digitale Lösungen und ein plattformbasiertes Geschäftsmodell für grünen Wasserstoff

Die erarbeiteten digitalen Lösungen, die perspektivisch in ein plattformbasiertes Geschäftsmodell eingebracht werden können, unterstützen GP JOULE bei einer optimierten Erzeugung, Distribution und Vermarktung von grünem Wasserstoff und wie diese drei Schritte gesamtheitlich aufeinander abgestimmt werden können.

Beispiel für eine solche digitale Lösung ist eine bedarfsgerechte Produktion von Wasserstoff mithilfe von Elektrolyseuren. Dabei soll einmal der Bedarf von Wasserstoff prognostiziert werden und dieser mit der voraussichtlichen Verfügbarkeit von Windenergie abgeglichen werden, welche es für die Wasserstoffproduktion benötigt. Dieser Abgleich von Bedarf und Verfügbarkeit erfolgt mittels Data-Analytics-Methoden und ermöglicht es, Wasserstoff kostengünstig und versorgungssicher an den Tankstellen anzubieten.

Insgesamt wurden drei digitale Lösungen aus den Bereichen H2-Erzeugung, H2-Trailer-Logistik und H2-Tankstellen näher betrachtet. Durch die Abschätzung der Kosten für die Entwicklung der digitalen Lösung und die möglichen Einsparungspotenziale, die durch diese entstehen, konnte eine Entscheidungsgrundlage für die Umsetzung dieser Anwendungsfälle geliefert werden.

Das Ergebnis der Potenzialanalyse hat nicht nur gezeigt, unter welchen Umständen die Investitionen für die Umsetzung der digitalen Anwendungsfälle vorteilhaft sind, sondern auch, welche weiteren Anwendungsfälle durch deren Umsetzung ermöglicht werden.

Die Potenzialanalyse stellte für GP JOULE einen wichtigen Schritt für eine zukunftsweisende digitale Wertschöpfung des Unternehmens in der Wasserstoffwirtschaft dar.


Fatal error: Uncaught Error: Call to undefined function twentyseventeen_get_svg() in /html/wordpress/web/wp-content/themes/kzad/archive.php:35 Stack trace: #0 /html/wordpress/web/wp-includes/template-loader.php(106): include() #1 /html/wordpress/web/wp-blog-header.php(19): require_once('/html/wordpress...') #2 /html/wordpress/web/index.php(17): require('/html/wordpress...') #3 {main} thrown in /html/wordpress/web/wp-content/themes/kzad/archive.php on line 35